ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Drogenbericht: Ärzte werden abgeschreckt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Mit Erstaunen las ich die Aussage von Frau Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, dass die Ursachen für den zunehmenden Anstieg der Drogentoten im Jahr 2008 nur schwer nachzuvollziehen seien. Sie fordert eine qualitativ gestützte Substitutionstherapie mit Methadon und Diamorphin. Hat sich Frau Bätzing jemals in der Praxis mit den Alltagsbedingungen der ambulanten Substitutionstherapie in Deutschland befasst? . . . Es wurde der Anstieg der erfassten Drogenabhängigen erwähnt, nicht aufgeführt wurde die Anzahl der Substitutionsärzt(inn)e(n) (SÄ), die kontinuierlich zurückgeht. Ich bin SÄ und arbeite im Bayerischen Wald. Für die Landkreise Deggendorf, Regen, Freyung-Grafenau und Passau mit einer Gesamteinwohnerzahl von etwa 467 500 Bürgerinnen und Bürger gibt es nur noch insgesamt zehn substituierende Ärztinnen und Ärzte. Warum ist das wohl so? Haben die verantwortlichen Politiker schon einmal daran gedacht, dass ein Großteil der Schuld für die Drogentoten bei ihnen und ihrer Gesetzgebung liegt? . . . Die unrealistisch strengen Vorschriften zur Substitutionstherapie und die gnadenlose Bestrafung jedes Arztes, dem ein Verstoß dagegen unterläuft, halten Ärztinnen und Ärzte davon ab, sich ernsthaft mit der Substitution zu befassen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die abschreckende Wirkung dieser in der Realität in allen Einzelheiten kaum oder nur mit größtem Aufwand einzuhaltenden gesetzlichen Regelungen politisch beabsichtigt ist. Die Berichterstattung in den Medien tut ein Übriges, die substituierenden Ärztinnen und Ärzte in die Schmuddelecke zu stellen. Bei den ärztlichen Kolleg(inn)en implementieren sie das Bild eines „Dealers in Weiß“ . . . Davon, dass sehr viele drogenabhängige Menschen unter Substitution wieder resozialisiert werden können, arbeiten, Sozialabgaben zahlen, ihre Familien ernähren und ihre Kinder unter besseren Bedingungen aufziehen können, wird nur selten berichtet . . . Solange die Anzahl der substituierenden Ärzt(inn)e(n) vor allem im ländlichen Bereich nicht zunimmt, lange Wartelisten zur Aufnahme in die Substitution bestehen, wird es auch aus diesem Grund immer wieder zu vermeidbaren Todesfällen bei Drogenabhängigen kommen.
Dr. Irmengard Schoder, Sonnenwaldstraße 5, 94572 Schöfweg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige