ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Drogenbericht: Drogen im Gefängnis
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Die Drogenbeauftragte behauptet, „Häftlinge kämen zwar nicht an Drogen, ihre Sucht sei aber längst nicht geheilt und der Körper durch die Abstinenz entwöhnt“. Die Vermutung des ersten Teils dieses Satzes kann mit Sicherheit als falsch belegt werden: In meiner fast zehn Jahre andauernden Tätigkeit als ehrenamtlicher Straffälligenhelfer (Gefährdetenhilfe Scheideweg e.V.) haben Dutzende von Gefangenen übereinstimmend berichtet, dass im Gefängnis sehr wohl Drogen zu bekommen sind, wenn auch zu einem höheren Preis als draußen. Auch in der Literatur ist die Tatsache bekannt, dass auch in der Haft illegale Drogen in jeder Form in nicht zu vernachlässigendem Maße konsumiert werden. Der Drogenbeauftragten ist diese Tatsache offensichtlich bekannt, wie aus einer Pressemitteilung vom 10. Januar 2008 erkennbar ist. Erstaunlich erscheint allerdings, dass die „nur“ 70- bis 80 000 Gefängnisinsassen in Deutschland einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtzahl der Drogentoten liefern sollen. Zu befürchten ist, dass Drogentherapie und -prävention tatsächlich in der Haft zu wenig in der Praxis ankommen, auch wenn es im Drogenaktionsplan der EU verankert ist. Interessant in dieser Hinsicht könnten die ausstehenden Ergebnisse der EU-geförderten Studie „Langstrafenvollzug und Menschenrechte in Staaten der Europäischen Union“ (Prof. Dünkel et al., Greifswald) sein.
Literatur bei dem Verfasser
Dr. rer. med. Dietrich Alte, Karl-Marx-Platz 7, 17489 Greifswald
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