ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Spätabbrüche: Kein Fachbegriff
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Das DÄ fungiert als offizielles Sprachrohr der deutschen Ärzteschaft und widmet sich in seinen Beiträgen professionell und kompetent der fachlichen Weiterbildung, der Berufspolitik sowie aktuellen Belangen aus Wissenschaft und Politik. Umso erstaunlicher ist, dass beim Thema Schwangerschaftsabbruch eine eklatante Unprofessionalität vorhanden ist. Regelmäßig wird der Begriff „Abtreibung“ verwendet. Das Wort ist dem umgangssprachlichen Vokabular entnommen und in einer fachlichen Abhandlung fehl am Platz; der medizinische Fachbegriff heißt Schwangerschaftsabbruch. Abtreibung besitzt darüber hinaus eine eindeutig negative Konnotation. Diese ist aus Jahrhunderten überliefert, wie ein Blick in ein etymologisches Wörterbuch zeigt. Hier findet sich folgender Eintrag: Abtreibung: „nicht besonders gerechtfertigter Abbruch einer Schwangerschaft nach Abschluss der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter“ (Köbler 1995, http://www.koeblergerhard.de/der wbhin.html) . . . Jedem medizinischen Thema, über das im DÄ referiert wird, gebührt ein professioneller Umgang; das medizinisch-moralisch-politisch hochsensible Thema Schwangerschaftsabbruch sollte hier keine Ausnahme darstellen. Die Verwendung einer korrekten Terminologie ist dafür eine absolut notwendige Voraussetzung.
Dr. med. Waltraut Merz, M.Sc., Universitätsklinikum Bonn, Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale
Medizin, Sigmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn
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