ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1996Operationen: Umverteilung der Gelder notwendig
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LNSLNS Der Autor des Artikels stellt richtig fest, daß das ambulante Operieren lahmt. Er konstatiert, daß die Verlagerung von Operationen aus dem Krankenhausbereich in die Ambulanz noch sehr gering sei. Dabei wird eine Zunahme der 20 ambulant durchführbaren Operationen (dieser Katalog ist mir so nicht bekannt) außerhalb des Krankenhauses um 36 Prozent beschrieben, was zu einer Abnahme im stationären Sektor um 4,5 Prozent geführt habe.
Im ambulanten Sektor ist es zu einer Zunahme um 36 Prozent gekommen, ohne daß dem Rechnung getragen wurde. Der Punktwert ist in den letzten Jahren dramatisch verfallen, nachdem man uns aufgefordert hat, daß wir ambulant operieren sollen. Ist man denn nie auf den Gedanken gekommen, daß eine Umschichtung der Leistungen auch zu einer Umverteilung der Gelder führen muß? Man hat Geister gerufen und nicht bedacht, daß sie eventuell auch kommen. Es wird immer nur von der Förderung des ambulanten Operierens am Krankenhaus gesprochen. Es fällt kein Wort, daß sich zahlreiche Praxen bemühen, das ambulante Operieren quantitativ und qualitativ auf ein neues Niveau zu bringen.
Unsere Praxis ist seit Mai 1993 in Betrieb. Wir haben uns einen ambulanten Operationstrakt eingebaut, in dem wir derzeit pro Jahr zirka 1 200 Operationen, bisher seit Bestehen der Praxis fast 3 000 Operationen in Narkose, durchführen. Was ist nun die Struktur unserer Eingriffe, womit "entlasten" wir den stationären Sektor? In diesen drei Jahren haben wir fast 100 laparoskopische Cholecystektomien ambulant durchgeführt. Legt man die Fallpauschale von Berliner Krankenhäusern für eine elektive Cholecystektomie zugrunde, so resultiert aus diesem Eingriff ein Kostenvolumen von fast 500 000 DM. Subtrahiert man davon unser abgerechnetes Honorar zuzüglich der Anästhesieleistungen, so erhält man das Einsparpotential allein aus diesen Operationen. Inklusive ambulanter Zuschlagsziffern, die es für diese Leistung gibt – sie ist im neuen EBM oder der GOÄ nicht erfaßt, obwohl sie seit fünf Jahren zum Repertoire der Chirurgie gehört –, berechneten wir nach dem alten EBM 11 205 Punkte. Multipliziert man dies mit dem gesunkenen Punktwert, so erhält man einen Betrag weit unter 1 000 DM. Hinzu kommen die Anästhesieleistungen. Wir haben an die Krankenkasse, an die KV Berlin, an die KBV geschrieben, aber unser Angebot hat bisher keinen Anklang gefunden! Will man nicht sparen? Wir sind mit der derzeitigen Honorierung nicht zufrieden, aber die Offerte zu konstruktiven Verhandlungen hat bisher auch kein greifbares Ergebnis gebracht . . .
Es ist an der Zeit, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das ambulante Operieren wirtschaftlich akzeptabel machen und gleichzeitig die Kosten im stationären Sektor senken. Dabei wollen wir aber in der Diskussion etwas mehr die bestehenden ambulanten Strukturen berücksichtigt wissen. Wenn vom ambulanten Operieren gesprochen wird, so ist dies vor allem bisher das Operieren in der Praxis und nicht am Krankenhaus.
Der ambulante operative Bereich wird immer die Patienten mit niedrigerem Risiko versorgen. Dem muß ebenfalls Rechnung getragen werden. Eine Umverteilung der Gelder ist notwendig. Es ist notwendig, daß ambulante und stationäre Medizin in dieser Sache nicht wie Konkurrenten gegeneinander um den "Kuchen: Honorar" kämpfen. Es ist eine regionale Verquickung der ambulanten und stationären Strukturen erforderlich. Dazu müssen aber rechtliche Voraussetzungen geschaffen werden. Hier sind Politiker und Fachverbände gefragt.
Dr. med. B. Bierstedt, Dr. med. St. Bunge, Dr. sc. med. R. Kündiger, Schönstraße 85-91, 13086 Berlin
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