ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Ernst Barlach: Urbilder des Menschlichen

KULTUR

Ernst Barlach: Urbilder des Menschlichen

Gold, Dagmar

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Ernst Barlach (1870–1938) Sitzendes Mädchen, 1908
Ernst Barlach (1870–1938) Sitzendes Mädchen, 1908
Am bekanntesten wurde der Künstler durch seine Skulpturen aus Holz sowie Plastiken aus Gips, Porzellan und Bronze.

Ernst Barlach spürte in seinen Skulpturen der Substanz der Humanität nach und zeigte, was den Menschen bewegt. Der Künstler, dessen Werke zurzeit in einer Ausstellung in Wien zu sehen sind, zählt zu den großen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. „Die Tatsache besteht, dass die Wirklichkeit für mein Auge plastische Wirklichkeit war“, erkannte er und empfand, jede Figur müsse das Universum in sich versammeln. Dem legendären Kunsthändler Barlachs, Paul Cassirer, fiel auf, welche strenge Monumentalität sich gerade in den kleineren Skulpturen zeigte. Wenn der zeitgenössischen, akademischen Kritik Barlachs Kunstwerke als „zu schwermütig, zu versonnen“ vorkamen, so kann man sich heute auf das einlassen, was der Künstler sichtbar gemacht hatte.

Ernst Barlach wurde am 2. Januar 1870 in Wedel (Holstein) geboren. Weitere Lebensstationen: nach dem Besuch der Dresdener Akademie ab 1904 erste Ausstellungen unter anderem in Berlin, 1906 eine achtwöchige Russlandreise, 1910 Umzug nach Güstrow. In den folgenden Jahren trat er nicht nur mit bildnerischen und grafischen Werken, sondern auch dichterisch mit Kurzprosa und acht Dramen an die Öffentlichkeit. 1924 erhielt er den Kleistpreis. In der Zeit des Nationalsozialismus galt sein Werk als entartet und wurde teilweise vernichtet. Barlach starb am 24. Oktober 1938 in Rostock. Am bekanntesten wurde er durch seine Skulpturen aus Holz sowie Plastiken aus Gips, Porzellan und Bronze. Erste dreidimensionale Werke entstanden um 1894, teils noch dem Jugendstil nahe. Erst durch die Begegnung mit dem bäuerlichen Leben Russlands fand er zu seinem prägnanten Personalstil. Von nun an entwickelte er aus diesem Erleben Formen von letzter Einfachheit. Sein Thema: die Mitte des Menschlichen in ihrer Schönheit und Gefährdung.

Ungefähr 500 bildhauerische Werke sind von Barlach dokumentiert. Die Bronze „Sitzendes Mädchen“ von 1908 ist ein ergreifendes Urbild von Hingebung und Selbstvergessenheit, Nachdenklichkeit und Freude. Bis heute besitzt diese Skulptur eine zeitlos gültige Bildsprache. Durch die Einzelfertigung ist jedes Werk streng genommen ein Unikat. Jede Skulptur ist am Sockelrand einzeln nummeriert und trägt die Signaturpunze „E Barlach“.

Barlach-Skulpturen, allesamt posthum gegossen, erzielen hohe Preise auf den großen Kunstauktionen. Die 48 Zentimeter große Bronze „Stehende Bäuerin“, geschaffen 1921, nach 1938 in einer Auflage von zwölf Exemplaren realisiert, wurde am 5. Dezember 2008 bei Hauswedell & Nolte einem Bieter für 30 000 Euro inklusive Aufgeld zugeschlagen. Ein ebenso großer Bronzeguss, „Das Wiedersehen“ in einer Auflage von 36, erzielte bei derselben Auktion sogar circa 168 000 Euro inklusive Aufgeld.
Dagmar Gold

Ernst Barlach (1870–1938), Sitzendes Mädchen, 1908, Skulptur in Bronze, gegossen im Wachsausschmelzverfahren, patiniert. Format: Höhe 23 × Breite 24 × Tiefe 22 cm, Gewicht 3 kg. Posthumer Bronzeguss. Direkt abgenommen und minimal verkleinert von der Figur siehe Werkverzeichnis F. Schult Nr. 83, das auf dem verschollenen Werkmodell Werkverzeichnis Nr. 82 basiert und in internationalen Museen und Galerien ausgestellt wurde. Limitierte Arte-Viva-Edition 450 Exemplare, einzeln nummeriert, mit Signaturpunze „E Barlach“ und mit Zertifikat. Zu der Skulptur als Beigabe das Buch „Ein selbsterzähltes Leben“ von Ernst Barlach. Subskriptionspreis: 995 Euro bis 31. Dezember 2009 (danach 1 250 Euro) zzgl. 20 Euro Spezialverpackung und Versand. Bestellung über: Deutscher Ärzte-Verlag Edition, Dieselstraße 2, 50859 Köln, Telefon: 0 22 34/70 11-3 24, Fax: 0 22 34/70 11-4 76, E-Mail: vsbh@aerzteverlag.de. Im Leopold-Museum in Wien ist noch bis 25. Mai die Ausstellung „Ernst Barlach. Käthe Kollwitz“ zu sehen. Informationen: www.leopoldmuseum.at
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema