ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1997Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Gleiche Medikation, unterschiedliche Anwendung

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Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Gleiche Medikation, unterschiedliche Anwendung

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Die konservative Therapie chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ungen, zu denen die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn gerechnet werden, ist nach Angaben des Essener Gastroenterologen Prof. Harald Goebell prinzipiell gleich. Unterschiede bestehen lediglich in der Dauer der Anwendung verschiedener Medikamenten-Kombinationen.
Bei milderen Formen der ausgedehnten Colitis ulcerosa werde eine Behandlung mit Salazosulfapyridin oder 5Aminosalizylsäure durchgeführt, bei schweren Krankheitsverläufen werde zusätzlich Kortison gegeben, berichtete Goebell bei einem von Merckle unterstützten Symposium für Gastroenterologen in München.
Wesentlich komplizierter sei die therapeutische Füh-rung des Crohn-Patienten, bei dem sich die Krankheit in der Regel über verschiedene Abschnitte des Darmtraktes ausdehnt und bei dem Komplikationen mit Fistelbildung, Abszessen und Strikturen hinzukommen. Bei Patienten, bei denen die herkömmliche Behandlung mit Salazosulfapyridin oder mit 5-Aminosalizylsäure nicht wirkt und die auch auf Steroide nicht oder nicht ausreichend ansprechen, seien Immunsuppressiva die Mittel der Wahl, erläuterte Prof. Volker Groß (Regensburg).
Er berichtete über verschiedene klinische Studien zum Wert von Azathioprin, Cyclosporin sowie Methotrexat bei der Behandlung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen. Demnach sei Azathioprin bei Patienten mit einem steroidrefraktären Morbus Crohn in mehr als zwei Drittel der Fälle gut wirksam. Auch zum Remissionserhalt des Morbus Crohn könne die Substanz eingesetzt werden. Methotrexat sollte bei Patienten eingesetzt werden, bei denen Azathioprin versagt, sagte Groß. Etwa die Hälfte der Patienten mit steroidrefraktärem Morbus Crohn sprechen nach seinen Angaben auf Methotrexat an. Diese Aussage sei allerdings nur für die intramuskuläre Behandlung mit einer Dosis über 20 mg pro Woche gesichert.
Bei chronisch aktiver Colitis ulcerosa sei Azathioprin ebenfalls wirkungsvoll. Zwei Drittel der Patienten mit steroidrefraktärer Colitis ulcerosa sprechen auf Azathioprin an. Bei fulminantem Verlauf stelle die i. v. Cyclosporin-Behandlung jedoch die bessere Maßnahme dar. Dabei müsse allerdings das nicht unbeträchtliche Nebenwirkungsprofil von Cyclosporin berücksichtigt werden. Nach intravenöser Cyclosporin-Anbehandlung, auf die bis zu 80 Prozent der Patienten ansprechen, sollte daher auf die orale Gabe von Azathioprin umgestellt werden. Ein Nachteil der Azathioprinbehandlung stelle die lange Zeitdauer bis zum Wirkungseintritt dar. Bis sich ein Effekt zeigt, können sechs Wochen bis zu drei Monaten vergehen, berichtete Groß. Um diese Zeit abzukürzen, könne Azathioprin i. v. in einer Anbehandlungsphase gegeben werden. Dabei sei allerdings Vorsicht geboten. Um eine Zytopenie zu vermeiden, müsse vor Beginn der i. v. Behandlung der Transferasestatus bestimmt werden.
Entzündliche Darm­er­krank­ungen in der Schwangerschaft stellen besondere Anforderungen an die Patientenführung dar, erklärte der Essener Internist Dr. Axel Dignass. Notwendig sei eine ausführliche Beratung durch den Gastroenterologen und den Gynäkologen, die dazu beitragen könne, Ängste abzubauen, aber auch rechtzeitig mögliche Gefahren und Komplikationen zu erkennen. Eine Schwangerschaft habe bei Patientinnen mit einer chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung in den allermeisten Fällen keinen Einfluß auf die Aktivität und die Rezidivneigung der Erkrankung. Bestehe bereits zu Beginn der Schwangerschaft eine erhöhte entzündliche Aktivität, so bleibe diese in etwa der Hälfte der Fälle auch während der Schwangerschaft bestehen.
Schwangerschaften sollten nach Dignass Angaben möglichst in der Remissionsphase geplant werden, da bei niedriger Erkrankungsaktivität zum Zeitpunkt der Konzeption die Schwangerschaft im allgemeinen ungestört verläuft. Bestehe zum Zeitpunkt der Konzeption eine erhöhte entzündliche Aktivität, nehme die Zahl der Fehlgeburten, Frühgeburten und Komplikationen zu.
Die in der Therapie chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ungen etablierten Medikamente können nach heutiger Kenntnis ohne Gefahr für den Fetus in der Schwangerschaft eingenommen werden. Patientinnen, die zur Remissionserhaltung 5-Aminosalizylsäure-Präparate oder Steroide benötigen, sollten diese Therapie auch nach Feststellung einer Schwangerschaft fortsetzen. Eine Therapie mit Azathioprin oder Mercaptopurin sollte nach Möglichkeit in Absprache mit den betreuenden Ärzten drei Monate vor einer geplanten Konzeption beendet werden. Jürgen Stoschek
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