ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Börsebius: Querschläger
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LNSLNS Eben rattert das Faxgerät und spuckt ein Angebot der Landesbank Berlin (LBB) aus. Ein Leser rief mich zuvor an und pries just diese Offerte – eine „Zielzinsanleihe“ – als doch wohl „gute Sache“. Weil ich diese Wortschöpfung in dem Zusammenhang noch nicht gehört hatte, habe ich mir denn auch voller Neugier die Konditionen dieser Zielzinsanleihe (LBB IHS Serie 467) angeschaut.

Und auf den ersten Blick hinterlässt das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren auch einen guten Eindruck, werden doch die ersten beiden Jahre ziemlich fette Coupons von jeweils 4,5 Prozent gezahlt. In den folgenden drei Jahren berechnet sich allerdings die Rendite anders:
im dritten Jahr: 4,00 Prozent abzüglich 3-Monats-Euribor
im vierten Jahr: 4,25 Prozent abzüglich 3-Monats-Euribor
im fünften Jahr: 4,50 Prozent abzüglich 3-Monats-Euribor.
Was bedeutet das, und vor allem, was ist das Motiv der Bank?

Mal ehrlich, persönlich glaube ich, dass die LBB davon ausgeht, dass der Euribor, das ist der Satz, zu dem Banken untereinander Termingelder anlegen, in absehbarer Zeit steigen wird, sagen wir einfach mal, auf drei Prozent. Dann würde der Anleger etwa im dritten Jahr nur auf eine magere Rendite von einem Prozent kommen. Geht die Rechnung der Bank auch für die beiden anderen Jahre auf, dann wird am Ende der Laufzeit (weil die Zinszahlungen ja ziemlich mickrig bleiben) so viel draufgepackt, dass der Anleger summarisch genau zwölf Prozent Zinsen erhält. Das klingt viel, ist es aber für fünf Jahre in Wirklichkeit nicht. Unter Berücksichtung des Agios von einem Prozent ist die Durchschnittsverzinsung der Zielzinsanleihe dann mit 2,2 Prozent eigentlich mäßig.

Was passiert aber, wenn der Euribor anders als erwartet niedrig bleibt. Dann muss der Emittent doch anständige Zinsen aufbringen, den Anleger würde es vermutlich sehr freuen. Doch halt, genau für diesen Sachverhalt (frühzeitiges Erreichen des Zielzinses von zwölf Prozent) hat sich die LBB abgesichert und sich das Recht einräumen lassen, die Zielzinsanleihe dann vorzeitig zurückzuzahlen. Besonders dreist finde ich, dass die Bank zu diesem Umstand im Prospekt schreibt, der Anleger habe „die Chance auf vorzeitige Rückzahlung bei Erreichen des Zielzinses“. Das ist doch wohl eher eine Chance für die Bank und ein Risiko für den Kunden. Anlageberater (Vertriebspartner) verkaufen die Anleihe natürlich gern, erhalten sie doch vom Emittenten eine Provision von zwei Prozent für die Vermittlung dieses Papiers.

Die Zielzinsanleihe trifft bei genauer Betrachtung also nur für den Emittenten ins Ziel, weil er sich in alle Richtungen abgesichert hat. Somit ist der Name der Anleihe an und für sich gerechtfertigt. Wenn doch sehr einseitig zum Nutzen und Frommen der Bank. Für den Anleger kann das Ganze unter Umständen zum renditevernichtenden Querschläger ausarten. Zum unehrlichen sowieso. Klassenziel („Du sollst deine Kunden nicht betuppen“) verfehlt, LBB.
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