ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Lehrermangel: Quereinsteiger Lehrer

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Lehrermangel: Quereinsteiger Lehrer

Pauels, Laura

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LNSLNS Bildungsministerin Annette Schavan will den Quereinstieg in den Lehrberuf erleichtern.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, hat ein kontroverses Thema zur Diskussion angestoßen. Ihr Vorschlag war es, auch Ingenieuren und Naturwissenschaftlern den Weg zum Lehrberuf zu ermöglichen.

In Deutschland fehlen Lehrer. Das will Schavan durch verbesserte Möglichkeiten für Quereinsteiger ausgleichen: „Die Besten sollen Lehrer werden.“ Gleichzeitig solle der Lehrerberuf wieder mehr Achtung erhalten. Berufstätigen mit praktischer Erfahrung solle die Möglichkeit des Quereinstiegs in den Lehrerberuf gewährleistet werden. Mit einer pädagogischen Grundausbildung und ihren praktischen Fachkenntnissen könnten sie, so die CDU, erfolgreich an Schulen unterrichten.

Die FDP stimmt dem Vorschlag grundsätzlich zu, möchte aber härter durchgreifen. Der bildungspolitische Sprecher Patrick Meinhardt dazu: „Wir brauchen in den Schulen nicht kurzfristig Spitzenmanager als Lehrer, sondern wir brauchen die besten Absolventen, damit nur die Besten der Besten in den Lehrerberuf einsteigen.“ Er beklagt sich darüber, dass die besten Abiturienten in alle Berufe streben, nur nicht in das Lehramt. Meinhard fordert einen größeren Schwerpunkt auf die pädagogische Praxis zu legen; in jedem Semester solle ein Unterrichtsanteil vorhanden sein. Nach jedem Semester müsse geprüft werden, ob der Student für den Lehrerberuf geeignet sei und ob sich Chancen für seine Ausbildung eröffnen.

Auf starken Widerstand stößt die Idee bei der SPD. „Lehrer und Lehrerinnen üben einen gesellschaftlich überaus wichtigen Beruf aus. Die Anforderungen an diese verantwortungsvolle Aufgabe sind hoch“, sagt der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil dazu. „Ein guter Lehrer muss neben seinen fachlichen Qualifikationen vor allem ein guter Pädagoge sein – den kann man nicht einfach mal so ersetzen.“ Der Idee, die Schüler von der praktischen, langjährigen Erfahrung Berufstätiger profitieren zu lassen, steht er offen gegenüber; allerdings nicht durch die Ersetzung der Lehrer durch sogenannte Topmitarbeiter. Vielmehr sehe er die Bereicherung darin, wenn Schulen nach außen geöffnet seien und Kontakte mit Künstlern, Ingenieuren oder Handwerkern knüpften. Heil fordert eine hochwertige Lehrerausbildung mit mehr Praxisbezug. Mit der Forderung hat die Bildungsministerin heftigen Protest bei Lehrern und in der Wirtschaft hervorgerufen. Die Länder hätten versäumt, rechtzeitig genügend Lehrer auszubilden, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) lehnt den Vorschlag als unrealistisch ab. „Der Aufwand für den Einzelnen wäre zu hoch; zusätzlich können Unternehmen kaum auf ihre besten Leute verzichten“, sagte der ehemalige DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.
Laura Pauels
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