ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2009Hausarztverträge: Verträge sind nötig
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Seit Abschluss des Hausarztvertrags der AOK mit dem Bayerischen Hausärzteverband wird von Vertretern der Ersatz- und Betriebskrankenkassen gebetsmühlenartig behauptet: „Hausarztverträge kosten mehr bei gleicher Qualität.“ Die Qualität der ärztlichen Versorgung hängt neben der fachlichen Qualifizierung des Arztes auch davon ab, wie viel Zeit der behandelnde Arzt seinen Patienten widmen und was er ihnen für kassenfinanzierte Leistungen anbieten kann. Die polemische Diskussion über die Fortbildung der Ärzte, insbesondere der Hausärzte, geht aus meiner Sicht völlig an der Realität vorbei und wird von Berufsgruppen geführt, denen eine Pflicht zur Fortbildung, wie sie den Ärzten überflüssigerweise aufgenötigt wurde, oftmals anzuraten wäre. Aus meiner fast zehnjährigen Erfahrung in der Organisation und Durchführung von Qualitätszirkeln und Fachfortbildungen in meiner Region kann ich das große Interesse der Kollegen, vor allem der Hausärzte, an derartigen Veranstaltungen schon vor Einführung einer Fortbildungsverpflichtung nur betonen. Die Zeit, die ein selbstständiger Arzt seinen Patienten widmen kann, hängt aus betriebswirtschaftlichen Gründen ganz wesentlich von der Vergütung dieser Zeit ab. Allein durch die bessere Vergütung der ärztlichen Leistung im Rahmen des Hausarztvertrags steigt also die Qualität der medizinischen Versorgung. Die Qualität der Patientenversorgung steigt aber nicht nur durch eine bessere Bezahlung der ärztlichen Zeit, sondern auch durch spezifische Leistungsangebote im Rahmen des AOK-Hausarztvertrags. So werden die Gesundheitsuntersuchung und das Hautkrebsscreening jährlich statt alle zwei Jahre angeboten, wobei die Gesundheitsuntersuchung an Laborwerten neben Cholesterin und Blutglucose auch Triglyzeride, HDL- und LDL-Cholesterin, Harnsäure und Kreatinin enthält, ferner ist der Haemoccult-Test Teil der Gesundheitsuntersuchung und damit sinnvollerweise aus der geschlechtsspezifischen Vorsorge herausgenommen, auch ist eine Oberbauchsonografie im Rahmen der jährlichen Vorsorge möglich. Ferner kommt die bessere Vergütung von Hausbesuchen, insbesondere von dringenden Hausbesuchen (nicht nur bei Heimpatienten!) den Patienten zugute, die darauf angewiesen sind und dadurch auf manchen Kranken­haus­auf­enthalt verzichten können. Zum Erhalt der hausärztlichen Versorgung in Deutschland sind Verträge nach diesem Muster nötig. Auf einer derartigen Basis können Ideen weiterentwickelt werden – ein Mehr an Bürokratie, was damit meist einhergeht, kann von den Ärzten nicht mehr geleistet werden!
Dr. med. Carl-Joachim Mellinghoff, Ludwig-Kick-Straße 3, 88131 Lindau
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