ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2009Krankenhäuser: Was Vertrauen schafft
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Ihr Bericht über das Gespräch mit Herrn Philippi gibt den Lesern ein eindrückliches Bild von der professionellen Einstellung und Arbeitsauffassung eines hochrangigen Managers privater Träger. Das Nutzen von Größenvorteilen und Marktmacht, die erleichterte Mittelbeschaffung für Investitionen wie auch das unternehmerische Know-how sind sicherlich Vorteile der privaten Konzerne. In dem Gespräch blieben aber das „Produkt“ und die Workforce des Unternehmens weitgehend unberücksichtigt . . . Der Vorwurf der Ärzte an privaten Klinikträgern betrifft ja nicht vorwiegend die strategische Planung (etwa von Palliativstationen). Er betrifft, wie wir von den Kollegen hören, die oft rigorosen Kürzungen von Ärzte- und Pflegekraftsstellen in Einrichtungen mit hohem Patientendurchgang. Aus den Kürzungen resultiert eine Arbeitsverdichtung, die von etlichen Mitarbeitern nicht mehr geschafft werden kann; mit der Folge von Burnout und unerwarteten Kündigungen tüchtiger und erfahrener Ärzte und Schwestern. Und weiter resultiert aus den Stellenkürzungen eine Beeinträchtigung der Kommunikation mit und der menschlichen Zuwendung zu den Patienten. Auch verkennen die Manager die Erfahrung und das professionelle Potenzial tüchtiger Ärzte. Die Ärzte haben in ihrem Krankenhaus – auch auf rein ärztlichem Gebiet – immer weniger zu sagen. Wenn man die Klagen der Kollegen vor Ort so anhört, kommt es einem vor, als sei die Rendite, die man den Anteilseignern zukommen lässt, zu teuer erkauft. Aber das schert ja keinen modernen Ökonomen. Die sorgfältige Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte, ihre menschlichen Umgangsformen und ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet der professionellen Kommunikation schaffen Vertrauen beim Patienten. Vertrauen in den Arzt, in das Team, aber auch in die Abteilung, das Krankenhaus. Dieser immensurable Wert, das Vertrauen des Patienten, wirkt Fehlern, iatrogenen Schäden und Streit entgegen. Dazu brauchen die Fachkräfte vor Ort jedoch mehr Zeit und Ruhe, als ihnen in den meisten Einrichtungen heute zugebilligt wird. Den Kräften vor Ort (und der Unternehmenskultur) täte es auch gut, wenn sie beim Träger die gebotene Anerkennung fänden.
Prof. Dr. K. D. Scheppokat, Brinkstraße 17, 30989 Gehrden
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