ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2009Ernst Rebentisch: Einsatz für die Katastrophenmedizin

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Ernst Rebentisch: Einsatz für die Katastrophenmedizin

Dtsch Arztebl 2009; 106(21): A-1059 / B-903 / C-875

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Prof. Dr. med. Ernst Rebentisch hat viele Jahre engagiert für das Sanitäts- und Gesundheitswesen der Bundeswehr gearbeitet. Sein besonderes Anliegen ist die Katastrophenmedizin und somit die Sicherheit der Bevölkerung. Foto: privat
Prof. Dr. med. Ernst Rebentisch hat viele Jahre engagiert für das Sanitäts- und Gesundheitswesen der Bundeswehr gearbeitet. Sein besonderes Anliegen ist die Katastrophenmedizin und somit die Sicherheit der Bevölkerung. Foto: privat
Prof. Dr. med. Ernst Rebentisch (89) hat ein wichtiges Anliegen: eine gute medizinische Versorgung der Bevölkerung im Katastrophenfall. Deshalb hat er sich mit Nachdruck für eine funktionierende Zusammenarbeit militärischer und ziviler Einrichtungen engagiert. Viele Jahre war er Generaloberstabsarzt und Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr und hat in dieser Funktion Maßstäbe gesetzt.

Rebentisch wurde am 31. Januar 1920 in Offenbach am Main als jüngstes von sechs Kindern des Medizinalrats Erich Rebentisch geboren. Sein Vater, Direktor des Stadtkrankenhauses in Offenbach, starb, als Rebentisch acht Jahre alt war. Nachdem er 1937 seine Abiturprüfung abgelegt hatte, wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Während des Zweiten Weltkrieges war er im Truppen- und Stabsdienst eingesetzt – unter anderem ab 1944 als Major und Kommandeur einer Panzerabteilung sowie als Kampfgruppen- und Regimentsführer in Rumänien, Polen und Ungarn.

Nach dem Krieg begann er in München das Studium der Humanmedizin, das er 1950 abschloss. Seine Assistentenzeit begann er im Stadtkrankenhaus Offenbach, in dem auch schon sein Vater gewirkt hatte. Nachdem er seine chirurgische Facharztprüfung abgelegt hatte, bot man Rebentisch Anfang 1959 eine Stelle als Oberarzt in der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Gelnhausen an. Wenige Monate später trat er aber in den Dienst der Bundeswehr ein.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ attestierte ihm einmal „ungewöhnliche Talente“. Diese erkannte man auch bei der Bundeswehr. Bereits 1960 wurde er leitender Sanitätsoffizier beim deutschen Bevollmächtigten im nördlichen NATO-Bereich. In diesem Amt arbeitete er sehr erfolgreich mit den Sanitätsdiensten Dänemarks, Norwegens und Großbritanniens zusammen. Im Jahr 1969 wurde er Generalarzt und Kommandeur der Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr in München. Als solcher verantwortete er unter anderem die Ausbildung von mehr als 4 000 Grundwehrdienst leistenden Sanitätsoffizieren. In seinen Aufgabenbereich fielen die wehrmedizinische Forschung sowie die Zusammenarbeit mit den Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Instituten. Internationale Anerkennung erlangte er während der Olympischen Spiele 1972 in München, als er in vorbildlicher Art und Weise den Sanitätseinsatz leitete.

Die Bundeswehr hatte mit Rebentisch einen außergewöhnlich engagierten Arzt für sich gewonnen. 1973 wurde er Generalstabsarzt und Stellvertreter des Inspekteurs des Sanitäts- und Gesundheitswesens, 1976 schließlich Generaloberstabsarzt und Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr. In dieser Funktion scheute er sich nicht, auch auf Mängel hinzuweisen und Missstände zu thematisieren. Besondere Verdienste erwarb er sich mit der Konzeption einer neuen Struktur für das Sanitätswesen. Wichtig war ihm eine gute Zusammenarbeit des militärischen Sanitätswesens und der zivilen Einrichtungen.

1980 schied er aus dem Dienst bei der Bundeswehr aus. Doch für die Sicherheit der Bevölkerung setzte er sich weiterhin ein. So war er Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin und wurde deren erster Präsident. Von 1980 bis 1991 war er Leiter des Ausschusses „Katastrophenmedizin“ der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). In dieser Zeit engagierte er sich auch als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK.

Mit seinen Auffassungen stieß er zur damaligen Zeit auf Widerstand – besonders bei der deutschen Sektion der Initiative „Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges“. Diese verweigerten in der Frankfurter Erklärung jede Form „kriegsmedizinischer“ Fortbildung. Doch von der Kritik ließ sich Rebentisch nicht beirren. Er stellte klar, dass kein Arzt den Atomkrieg wolle, aber dennoch die Pflicht habe, im Fall einer nuklearen Katastrophe zu helfen, solange er dazu in der Lage sei.

Anschrift:
Feldbergstraße 13–15
61476 Kronberg
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