ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Versorgungsforschung: Engagement für mehr unabhängige Forschung

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Versorgungsforschung: Engagement für mehr unabhängige Forschung

Dtsch Arztebl 2009; 106(22): A-1110 / B-946 / C-918

Richter-Kuhlmann, Eva

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Im Rahmen derFörderinitiativeVersorgungs-forschung würdenFragen untersucht,die für die gesamteÄrzteschaft sowiefür die Patientenrelevant seien,erläu-terte Peter Scriba.
Im Rahmen derFörderinitiativeVersorgungs-forschung würdenFragen untersucht,die für die gesamteÄrzteschaft sowiefür die Patientenrelevant seien,erläu-terte Peter Scriba.
Der Deutsche Ärztetag forderte die Bundesregierung auf, eine von der Pharmaindustrie unabhängige Forschung stärker zu unterstützen.

TOP VIII - Tätigkeitsbericht der Bundes­ärzte­kammer

Es muss mehr Geld in pharma-unabhängige Forschung investiert werden“, forderte Prof. Dr. med. Klaus Lieb, Universität Mainz, als Gast auf dem 112. Deutschen Ärztetag. Das ärztliche Verordnungsverhalten werde durch Studienergebnisse und Publikationen erheblich beeinflusst. Lieb hatte jüngst gemeinsam mit der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft die Expertise „Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf die wissenschaftlichen Ergebnisse und die Publikation von Arzneimittelstudien“ vorgelegt, die im Auftrag des 110. Deutschen Ärztetages im Rahmen der Förderinitiative Versorgungsforschung erstellt worden war.

Aus der Expertise geht hervor, dass publizierte Arzneimittelstudien, die von pharmazeutischen Unternehmen finanziert werden, häufiger zu einem für das Unternehmen günstigeren Ergebnis kommen als aus anderen Quellen finanzierte Studien. Der erste Teil des Ergebnisberichts werde in Kürze im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht werden, kündigte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Scriba, an.

Die Delegierten des Ärztetages bestätigten das Fazit der Expertise: „Der Einfluss der Pharmaindustrie ist nicht zu unterschätzen. Ärztinnen und Ärzte stehen unter einem enormen Druck durch die Vertreter“, sagte Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser, Delegierter aus Bayern. Eine unabhängige Forschung sei dringend notwendig. Während der Abstimmung mehrerer Anträge zu diesem Thema schlossen sich die Delegierten mit großer Mehrheit den Forderungen der Redner an: So sollen künftig wissenschaftsinitiierte klinische Studien in größerem Umfang als bisher unabhängig gefördert werden, um die Einflussnahme der Pharmaindustrie zu verringern. Zudem sollen Ärzte das Recht erhalten, auf Daten von Arzneimittelstudien – unabhängig von deren Ergebnis – zugreifen zu können.

Initiative liegt im Zeitplan
Erneut begrüßten die Delegierten in Mainz die von den Lan­des­ärz­te­kam­mern finanzierte Förderinitiative Versorgungsforschung, die auf eine entsprechende Forderung des Deutschen Ärztetages zurückgeht. Die auf sechs Jahre angelegte Initiative befindet sich bereits in der zweiten Förderphase und soll 2011 abgeschlossen werden. Zusätzlich zu den verschiedenen Projekten der beiden Förderphasen werden Expertisen und Literaturreviews sowie ein Report Versorgungsforschung erstellt.

Band 1 des Reports zum „Monitoring der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland“ erschien bereits im vergangenen Jahr. Im Herbst dieses Jahres werde der zweite Band des „Report Versorgungsforschung“ zu dem Thema „Arbeitsbedingungen und Befinden von Ärztinnen und Ärzten“ erscheinen, für 2010 sei Band 3 zum Thema „Versorgung psychisch kranker alter Menschen“ geplant, erläuterte Scriba. Vorgesehen sei in Kürze zudem eine weitere Expertise zum Thema „Datentransparenz für ärztliche Körperschaften“. Ab Sommer 2009 würden ferner in einer Reihe im Deutschen Ärzteblatt interessante Ergebnisse aus den bereits abgeschlossenen Projekten vorgestellt.

Themenfelder der ersten Förderphase waren die Implementierung von Leitlinien in den ärztlichen Alltag, der Einfluss der Öko­nomi­sierung der stationären und ambulanten ärztlichen Leistung auf die Patientenversorgung sowie die Freiheit der ärztlichen Tätigkeit und der Einfluss von arztseitigen Faktoren auf die Versorgung. „Dazu wurden und werden insgesamt 19 Projekte gefördert“, berichtete Scriba. Zehn Abschlussberichte lägen bereits vor.

Die zweite Förderphase von 2008 bis 2011 beschäftigt sich mit der Optimierung der palliativmedizinischen Versorgung, der Optimierung der Versorgung multimorbider Patienten, der Optimierung der Versorgungssituation für Menschen mit psychischen Erkrankungen, den Auswirkungen einer stärkeren Einbeziehung nicht ärztlicher Gesundheitsberufe in Versorgungskonzepte sowie mit Versorgungssteuerung durch „Qualitätswettbewerb“. Eine umfassende Berichterstattung zu den Ergebnissen erfolgt auf dem 113. Deutschen Ärztetag in Dresden.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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