ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Ausländische Gäste: Wertvolle Impulse

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Ausländische Gäste: Wertvolle Impulse

Spielberg, Petra

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Die Gruppe der ausländischen Gäste auf dem Deutschen Ärztetag wird größer. Die Probleme der Ärzte ähneln sich.

Die Delegation der ausländischen Gäste war in Rekordzahl angereist. Mehr als 50 Teilnehmer aus 16 Ländern hatten sich auf Einladung der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) eingefunden, um zu verfolgen, welche Themen die deutsche Ärzteschaft zurzeit bewegen, aber auch, um sich Anregungen für Reformanstöße im eigenen Land zu holen.

Besonders stark vertreten war diesmal die Delegation aus Bosnien-Herzegowina mit Vertretern aus den zehn bosnisch-herzegowinischen Kantonen sowie der Republik Srpska, die den Besuch in Mainz unter anderem dazu genutzt hätten, vertiefende Gespräche mit der BÄK über den Aufbau einer Dachorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung in Bosnien-Herzegowina nach deutschem Vorbild zu führen, erklärte Ramin Parsa-Parsi, Leiter des Auslandsdienstes der Bundes­ärzte­kammer.

Die Vertreter Russlands hatten erstmals einen eigenen Dolmetscher mitgebracht, um den Debatten besser folgen zu können. Für die übrigen ausländischen Gäste stand eine Simultanübersetzung in Englisch zur Verfügung. „Das hat sicherlich mit zu der gestiegenen Teilnehmerzahl beigetragen“, meinte Parsa-Parsi.

Auf besonderes Interesse stießen die Diskussionen wieder bei den südosteuropäischen Staaten – darunter erstmals Mazedonien und Serbien. Vor allem für die Länder des ehemaligen Ostblocks liefere der Deutsche Ärztetag wertvolle Impulse, weiß Parsa-Parsi. In diesem Jahr galt dies insbesondere für die Themen Priorisierung medizinischer Leistungen, die Definition des Arztberufs sowie den Stand der Weiterbildung.

Denn die Probleme im Gesundheitswesen sind, das bestätigten die ausländischen Delegationen, fast überall die gleichen: die Knappheit der finanziellen Mittel, eine überbordende Bürokratie sowie Eingriffe seitens der Politik, die die Probleme der Gesundheitssysteme eher verschärfen anstatt sie zu lösen.

Beeindruckt vom regen Meinungsaustausch der Ärztetagsvertreter und den demokratischen Abstimmungsverfahren zeigten sich aber nicht nur die Vertreter europäischer Länder, sondern auch die Delegierten aus den USA und Brasilien. Für beide Länder war es die zweite Teilnahme an einem Deutschen Ärztetag.

Dr. José Luiz Gomes do Amaral, Vorstandsmitglied des Weltärztebundes (World Medical Association, WMA) und zugleich Präsident der Brasilianischen Ärztevereinigung, betonte, dass er es nicht zuletzt vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschaftskrise für unerlässlich halte, Ärzte in die Diskussionen um die Verteilung der Mittel und die Festlegung von Leistungen stärker einzubeziehen. Der ehemalige Präsident der Amerikanischen Ärztevereinigung AMA und Vorsitzender des Rates der WMA, Dr. J. Edward Hill, machte deutlich, dass in den USA seit Langem über die Priorisierung von medizinischen Leistungen diskutiert werde. Im Bundesstaat Oregon sei bereits vor 20 Jahren ein entsprechendes Konzept auf den Weg gebracht worden. „Eine Prioritätensetzung ist für amerikanische Ärzte allerdings nur akzeptabel, wenn sie auf einer unabhängigen, wissenschaftlichen Grundlage erfolgt“, betonte Hill.

Derzeit treibe die US-Ärzte die Sorge um die Auswirkungen der geplanten Gesundheitsreform um. Sie seien aber optimistisch, unter der neuen Regierung mehr Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen nehmen zu können, sagte Hill.

Die Verantwortung der Ärzteschaft dürfe aber nur so weit gehen, wie ihr Mandat reiche, betonte Dr. med. Otmar Kloiber, Generalsekretär der WMA. Das Modell der ärztlichen Selbstverwaltung, so Kloiber weiter, sei einer staatlichen Steuerung des Gesundheitswesens überlegen. In vielen Ländern sei aber die Tendenz erkennbar, die Verantwortung für durch die Politik verursachte Probleme auf die Ärzte abzuwälzen, kritisierte Kloiber. Auch bemängelt er, dass derzeit zu viel Geld in Branchen wie den Bankensektor gepumpt werde, statt in Dienstleistungsbereiche wie das Gesundheitswesen. Nur eine Gesellschaft, die das Potenzial des tertiären Sektors erkennen würde, könne wirtschaftlich erfolgreich sein.
Petra Spielberg
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