ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Rehabilitation: Zur Motivation der Patienten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
. . . In der Tat sollten ambulant und stationär durchgeführte Rehabilitationsverfahren einen Beweis der Nachhaltigkeit erbringen können. Dies kann nur sinnvoll geschehen, wenn Patienten in die Therapieentscheidungen mit einbezogen werden . . . Allerdings widerspreche ich der exklusiven Behauptung, dass auch die beste Rehabilitationsbehandlung nutzlos sei, wenn die Patienten nicht motiviert seien. Als ob Veränderungen des Gesundheitsstatus nur und ausschließlich von der Motivation des Patienten abhängen würden und innerhalb eines Rehabilitationsverfahrens nicht auch andere ärztliche und therapeutische Leistungen erbracht werden würden, die gleichsam integraler Bestandteil der Rehabilitation sind. Beispiel: die medikamentöse Einstellung eines Patienten mit erhöhtem pulmonal-arteriellen Druck nach Pneumonektomie bei einem Bronchialkarzinom. Weiteres Beispiel: die Behandlung von Schmerzen und Mundtrockenheit bei Mukositis nach Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich. Oder die logopädische Therapie von laryngektomierten Patienten. Gehen wir doch an dieser Stelle davon aus, dass die Kontrolle von belastenden Symptomen bei Patienten ein Grundmaß an Motivation voraussetzen kann. Natürlich kann man sagen, die Compliance eines Patienten im Allgemeinen sei das Maß des Erfolgs in der Medizin. Und er könne ja auch die Tabletten nicht einnehmen. Aber unterstellen wir einmal, dass ein schmerzgeplagter Patient sein Symptom auch beseitigt bekommen möchte oder der Patient mit Dyspnoe und deutlich herabgesetzter körperlicher Leistungsfähigkeit diese auch verbessern will. Gerade das sind aber auch Aufgaben der Rehabilitation. Was in dem Artikel von Frau Dr. Hibbeler durchscheint, ist, dass immer noch sehr häufig so getan wird, als ob von der Akutmedizin genesene Patienten erfolgreich ihr Leben umkrempeln könnten, um durch veränderte Verhaltensweisen (nicht zu rauchen, sich gesund zu ernähren, regelmäßig Sport zu treiben etc.) langfristig, weil besonders durch den Rehabilitationsaufenthalt motiviert, ferne Endziele der Überlebensverlängerung oder verbesserten Lebensqualität im allgemeinen und damit diffusen Sinne erreicht werden könnten. Das mag auf viele Patienten zutreffen, lässt aber vollkommen außer Acht, dass Tumorpatienten mit schlechter Prognose (quod vitam) auch von einer Rehabilitation profitieren können, ohne beispielsweise längerfristig motiviert nikotinabstinent zu sein. Nämlich dann, wenn sie hier und jetzt schmerzfrei sind, wieder essen oder sprechen können.
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. (USA) Andreas S. Lübbe, MZG-Westfalen, Cecilienklinik, Lindenstraße 26, 33175 Bad Lippspringe
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema