ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Prostatakarzinom: Unhaltbare Position
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Mit einigem Erstaunen nehme ich die Position der Deutschen Gesellschaft für Urologie zur Kenntnis, nach der nach wie vor auf PSA-Screening nicht verzichtet werden könne. Ich frage mich, auf welche Beweise hier noch gewartet wird angesichts der aktuellen Studienlage, die neuerlich eindrucksvoll zeigt, in welchem Umfang gescreent und therapiert werden muss, um statistisch auch nur einen einzigen Todesfall durch das Prostatakarzinom zu verhindern? 1 410 Männer, die sich einer Prozedur unterziehen müssen, die sie in der Lebensqualität nachhaltig einschränkt, in der Sorge, krebskrank zu sein, die den anberaumten Vorsorgeterminen mit Bange und Sorge entgegensehen, die sich schmerzhaften Punktionen unterziehen müssen, am Ende mit der Diagnose Prostatakarzinom konfrontiert sind – immerhin sind es 48 –, die dann jedoch keinen Tag länger, nur gewiss gesundheitlich in vielen Aspekten sehr eingeschränkt leben (z. B. Archives of Internal Medicine 2006; 166: 38–43), um einen einzigen Todesfall zu verhindern? Tragischerweise werden die Patienten in der Regel zuvor nicht einmal in den Kenntnisstand im Sinn eines „informed consent“ gebracht, um sich im Bewusstsein von Vor- und eben auch gravierenden Nachteilen zu der Diagnostik entschließen oder sie ablehnen zu können. Es findet keinerlei Auswahl statt, um eventuell besondere Risikokonstellationen zu berücksichtigen, wird das Alter ebenso wenig wie unabhängige Empfehlungen bedacht und kalkuliert . . . Mir bleibt also völlig unklar, auf welche Daten und Untersuchungen die Urologen noch immer warten, um zu erkennen, dass ihr Vorgehen unhaltbar ist und mit den Grundprinzipien ärztlichen Tuns, dem Nil nocere und der Salutogenese, aber auch gar nichts mehr zu tun hat.
Dr. med. Joachim Pries, Flechtdorfer Straße 3q, 34497 Korbach
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