ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Prostatakarzinom: EbM stößt an Grenzen
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Die Studien von Schröder und Andriole haben unzureichendes Auflösungsvermögen, um den Effekt eines Screenings nach Prostatakarzinomen (PCa) auf die PCa-Mortalität aufzuzeigen. Aus statistischen und logistischen Gründen ist dieser Effekt selbst in einer großen kontrollierten randomisierten Studie grundsätzlich nicht nachweisbar. Die evidenzbasierte Medizin erfährt hier eine Grenze. Die Ergebnisse methodisch unzureichender Studien sind äußerst anfällig für Zufälle. Diese Zufälligkeit erklärt auch die Widersprüchlichkeit der Ergebnisse der Studien von Schröder und Andriole. Derartige Studien sollten wegen ihrer grundsätzlichen Aussichtslosigkeit unterlassen werden. Das Ergebnis der Studie Schröders beruht trotz der 162 243 Teilnehmer auf einer geringen Fallzahl. Gäbe es elf zusätzliche PCa-Todesfälle in der Screening-Gruppe, wäre das Ergebnis nicht mehr statistisch signifikant. 51 zusätzliche PCa-Todesfälle würden den Vorteil in einen Nachteil verkehren. Angesichts dieser Zahlen ist bemerkenswert, dass ca. 17 000 portugiesische Teilnehmer nachträglich ausgeschlossen wurden, weil die erforderlichen Daten nicht vorgelegt werden konnten. Von allen anderen Daten wurde eine angeblich vorher definierte „core age group“ ausgewertet, die jedoch von der vorher im Current-Clinical-Trial-Register definierten Gruppe abweicht. Damit werden weitere ca. 10 000 Teilnehmer nachträglich ausgeschlossen. Nimmt man die Daten trotzdem ernst, dann zeigen sie, dass auf eine einzige Lebensverlängerung 48 unnötige Überbehandlungen kommen. Mit anderen Worten: Von 49 Personen, die glauben, Früherkennung hätte ihr Leben verlängert, irren sich 48. Ihnen wurde sogar Schaden zugefügt. Auch die ärztliche Erfahrung wird durch diese 49 dankbaren Männer getäuscht. Etwaige Begeisterung für PCa-Früherkennung muss also um den Faktor 49 nach unten korrigiert werden.
Literatur bei dem Verfasser
Priv.-Doz. Dr. Hans-Hermann Dubben, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg
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