ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Glücksratgeber: Wege zum Glück
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Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein. Reinbek, 224 Seiten, 18,90 Euro
Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein. Reinbek, 224 Seiten, 18,90 Euro
Dass Lebenshilfebücher gerade in der Finanzkrise die Bestsellerlisten anführen, ist sicherlich kein Zufall.

Edwin de Valu ist Lektor in einem großen Verlag. Als sein Chef von ihm das Konzept für ein Lebenshilfebuch verlangt, präsentiert ihm Edwin kurz entschlossen ein Manuskript mit dem Titel „Was der Berg mich lehrte“. Und dann geschieht etwas völlig Unerwartetes. „Was der Berg mich lehrte“ funktioniert. Alle seine Leser werden glücklich, schön und reich. Dass dies Folgen haben wird, schildert Will Ferguson in seiner Satire auf die Ratgeberbücher (Will Ferguson: Glück. Roman, München, 448 Seiten, 8,95 Euro) auf humorvolle, aber auch bitterböse Weise.

Zwar kann die Lektüre von Glücksratgebern nicht das vollkommene Glück garantieren, sodass solche Folgen, wie sie Fergusons Roman schildert, ausbleiben, doch einige von ihnen können immerhin zu einer positiveren Lebenseinstellung verhelfen. Und dass sie gerade zu Zeiten der Finanzkrise einen derartigen Boom erleben, ist sicherlich auch kein Zufall. So führen Richard David Prechts Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ und Dr. med. Eckart von Hirschhausens „Glück kommt selten allein . . .“ bereits seit Wochen die Bestsellerlis-ten an. „Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, haben Sie den ersten Schritt auf dem Weg zum Glück schon getan“, schreibt Elke Heidenreich über Prechts Buch. Dabei ist diese „philosophische Reise“, so der Untertitel, kein Ratgeberbuch, sondern vielmehr eine Orientierungshilfe über das Wissen vom Menschen. Precht gibt einen Überblick über philosophische, psychologische und neurowissenschaftliche Themen, mit denen sich wohl fast jeder schon mal beschäftigt hat. Er geht beispielsweise Fragen nach wie „Was ist Liebe? Gibt es Gott? Was ist Freiheit?“. Aber auch mit medizinethischen Themen beschäftigt sich Precht (Ist Abtreibung moralisch? Soll man Sterbehilfe erlauben?). In einem Kapitel geht er dann explizit der Frage nach: Was ist ein glückliches Leben?

Richard David Precht:Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise, München, 397 Seiten, 14,95 Euro
Richard David Precht:Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise, München, 397 Seiten, 14,95 Euro
Darin kommt Precht letztendlich zu ähnlichen Ergebnissen wie von Hirschhausen in seinem vergnüglichen Buch. „Echtes Glück besteht aus dem angenehmen Leben, also dem Genuss, aus dem guten Leben, also aus Engagement und der Erfüllung persönlicher Sehnsüchte sowie aus dem sinnerfüllten Leben, dem Erreichen bestimmter Dinge aus einer Liste erstrebenswerter Ziele“, bringt es Precht auf den Punkt. In dem anschließenden Kapitel „Ist Glück lernbar?“ fasst er die seiner Ansicht nach wichtigsten Regeln der Glücksforscher zusammen.

Von Hirschhausen wählt einen anderen Ansatz. „Auf mühselige Erklärungen wird verzichtet, denn was hilft einem die Philosophiegeschichte, wenn ich wissen möchte, wie ich im Alltag meinen Jammerlappen auswringen kann?“, fragt er. Dennoch enthält das Buch „jede Menge wissenschaftlicher Studien und genauso viele persönliche Geschichten. Ich habe die meisten Tipps, die ich brauchbar finde, an mir selbst ausprobiert“. Hirschhausen kündigt im Vorwort „ein Gute-Laune-Lesebuch an, was nicht automatisch gute Laune verspricht, aber Ihnen viele scheinbar gerechtfertigte Gründe für schlechte Laune nimmt“. Und das ist ihm auch geglückt. Es ist kein Buch, das man von vorn bis hinten lesen wird, aber man wird immer wieder das ein oder andere vergnügliche Kapitel zurate ziehen, wenn man mal wieder nach einem Glücksrezept sucht.
Gisela Klinkhammer
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