ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2009Vorhofflimmern: Weniger Schlaganfälle unter Dronedaron

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Vorhofflimmern: Weniger Schlaganfälle unter Dronedaron

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Erstmals hat ein Antiarrhythmikum in einer großen Studie kardiovaskuläre Endpunkte signifikant reduziert.

Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar tödlich. Aber die Bombardierung des AV-Knotens mit elektrischen Impulsen aus dem Vorhof trägt indirekt erheblich zur Morbidität und Mortalität bei. Vorhofflimmern kann zum Beispiel eine Herzinsuffizienz zur Dekompensation bringen und durch Thrombenbildung im linken Vorhof einen Schlaganfall hervorrufen. Ein Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko um das Fünffache. Bei älteren Patienten ist ein Viertel aller Schlaganfälle embolischer Genese. Die jährliche Schlaganfallrate bei Älteren mit Vorhofflimmern beträgt immerhin sechs bis sieben Prozent.

Nur bei drei Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern kommt eine Katheterablation als definitive Therapie in Betracht, die übrigen sind auf eine medikamentöse Therapie und/oder Kardioversion angewiesen. Wenn möglich, sollte der Sinusrhythmus mit Antiarrhythmika oder elektrischer Kardioversion wiederhergestellt werden. Daran schließt sich eine medikamentöse Rezidivprophylaxe an. Die zweite Option ist die Senkung der Herzfrequenz, um die hämodynamischen Auswirkungen zu kontrollieren. In beiden Fällen gehört eine antithrombotische Therapie dazu, um Thromboembolien zu verhindern und das Schlaganfallrisiko zu vermindern.

Bisher verfügbare Antiarrhythmika haben erhebliche Nachteile: Das wirksamste (Amiodaron) weist zahlreiche Nebeneffekte auf; Sotalol und Klasse-Ic-Antiarrhythmika erhöhen das Risiko für den plötzlichen Herztod.

Eine neue Option bietet Dronedaron, welches sowohl rhythmus- als auch frequenzkontrollierende Eigenschaften hat. Die ATHENA-Studie* konnte zeigen, dass Dronedaron (400 mg zweimal täglich), zusätzlich zu einer adäquaten Standardtherapie mit Thrombozytenfunktionshemmern und/oder Antikoagulanzien gegeben, das Risiko für den kombinierten primären Endpunkt (Hospitalisierung aus kardiovaskulären Gründen oder Tod jeglicher Ursache) signifikant um 24 Prozent im Vergleich zu Placebo senkt (p < 0,001). Eingeschlossen waren 4 628 Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern, die entweder mindestens 75 Jahre alt oder älter als 70 Jahre waren und einen zusätzlichen Risikofaktor (Hypertonie, Diabetes, Schlaganfall oder TIA, Vorhofdurchmesser > 50 mm, Ejektionsfraktion = 40 Prozent) aufwiesen.

Eine Post-hoc-Analyse ergab, dass Dronedaron auch das Schlaganfallrisiko der Patienten signifikant um 34 Prozent senkte (p = 0,027). Der Unterschied wurde schon frühzeitig sichtbar und blieb über die gesamte Follow-up-Zeit von bis zu 30 Monaten erhalten, wie Prof. Stuart Connolly (Hamilton/Kanada) berichtete.

In der ATHENA-Studie zeigte Dronedaron eine gute Verträglichkeit. Gastrointestinale Nebeneffekte traten bei 26 versus 22 Prozent (Placebo) der Patienten auf, Hautprobleme bei zehn versus acht Prozent und ein leichter Anstieg des Kreatinins wurde bei 4,7 versus ein Prozent beobachtet. Das Proarrhythmie-Risiko erwies sich als gering und Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz waren in der Dronedaron-gruppe nicht häufiger notwendig als in der Placebogruppe.
Dr. med. Angelika Bischoff

Pressekonferenz „The effect of dronedarone on stroke and other cardiovascular outcomes in patients with atrial fibrillation: Update from the landmark ATHENA study“, anlässlich des ESC-Kongresses in München, Veranstalter: Sanofi-Aventis GmbH

*ATHENA = A Placebo-Controlled, double-blind, parallel Arm Trial to Assess the Efficacy of Dronedarone 400 mg BID for the Prevention of Cardiovascular Hospitalization or Death from any Cause in Patients with Atrial Fibrillation/Atrial flutter
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