ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Leukämien bei unter 5-jährigen Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke: Gegen die Logik
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LNSLNS Der Beitrag ist sachlich ungenau und irreführend. So steht in der Zusammenfassung: „Diskutiert wird, ob in der Nähe von Kernkraftwerken erhöhte Leukämieraten auftreten.“ Diese Darstellung ist falsch. Es ist vielmehr wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder umso häufiger an Krebs und Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. Den Beweis haben die Autoren mit ihrer außergewöhnlich aufwändigen wissenschaftlichen Studie selbst geliefert. Auch die Darstellung, man würde hinsichtlich der Ursachen für die Krebserkrankungen völlig im Dunkeln tappen, ist irreführend. Im Rahmen der Studie konnten andere Ursachen als die AKW-Emissionen ausgeschlossen werden. So wurde geprüft, ob sich die Krebserkrankungen beispielsweise durch Pestizide oder andere mögliche Einflussfaktoren (Confounder) erklären lassen. Ein solcher wurde aber nicht gefunden!

Bei der KiKK-Studie (Epidemiologische Fall­kontroll­studie zu Kinderkrebs und Kernkraftwerken) stand explizit ein möglicher Ursachenzusammenhang zwischen der Radioaktivität aus Kernkraftwerken und den Krebserkrankungen auf dem Prüfstand. Das geht unmissverständlich aus einer Publikation des Mainzer Kinderkrebsregisters aus dem Jahr 2006 hervor. Darin heißt es zur Methodik der Studie, dass der individuelle Abstand des Wohnhauses der an Krebs erkrankten Kinder als Surrogat für die individuelle Strahlenexposition herangezogen werde.

Aus unserer Sicht widerspricht es den Gesetzen der Logik, dass die Autoren im Nachhinein diesen Teil des Studiendesigns ausklammern und damit die eigenen Ergebnisse nicht akzeptieren. An dieser Stelle sei deshalb die Frage erlaubt: Cui bono? Zumindest wird mit einer solchen zurechtgebogenen Interpretation der Studienergebnisse der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ermöglicht. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0393a


Dr. med. Angelika Claußen
Körtestraße 10
10967 Berlin

Reinhold Thiel
Hölderlinstraße 23
89171 Illerkirchberg
1.
Kaatsch P, Spix Cet al.: Umweltforschungsplan des Bundesumweltministeriums, Vorhaben StSch 4334. Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken, Zusammenfassung, XI.
2.
Grosche B, Jung T, Weiss W: Häufigkeit von Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken. atomwirtschaft Nr. 3/2008, 174–78.
3.
Schulze-Rath R, Kaatsch P, Schmiedel S, Spix C, Blettner M: Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken: Bericht zu einer laufenden epidemiologischen Studie. Umweltmed Forsch Prax 2006; 11: 23 (2.4).
4.
Kaatsch P, Spix C, Jung I, Blettner M: Childhood leukemia in the vicinity of nuclear power plants in Germany. [Leukämien bei unter 5-jährigen Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105: 725–32. VOLLTEXT
1. Kaatsch P, Spix Cet al.: Umweltforschungsplan des Bundesumweltministeriums, Vorhaben StSch 4334. Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken, Zusammenfassung, XI.
2. Grosche B, Jung T, Weiss W: Häufigkeit von Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken. atomwirtschaft Nr. 3/2008, 174–78.
3. Schulze-Rath R, Kaatsch P, Schmiedel S, Spix C, Blettner M: Krebs bei Kindern in der Umgebung von Kernkraftwerken: Bericht zu einer laufenden epidemiologischen Studie. Umweltmed Forsch Prax 2006; 11: 23 (2.4).
4. Kaatsch P, Spix C, Jung I, Blettner M: Childhood leukemia in the vicinity of nuclear power plants in Germany. [Leukämien bei unter 5-jährigen Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105: 725–32. VOLLTEXT

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