ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Börsebius: Ein starkes Stück

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Börsebius: Ein starkes Stück

Dtsch Arztebl 2009; 106(23): A-1212 / B-1036 / C-1008

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Heute Morgen erhielt ich folgende E-Mail: „Guten Tag, Herr Rombach, was ist von dem beiliegenden Angebot zu halten? Ich verstehe leider nichts davon.“ Was der Ärzteblattleser nicht richtig beurteilen konnte, will ich Ihnen nicht vorenthalten.

Im Anhang zur Mail war ein offizielles Schreiben des renommierten Bankhauses C. L. Seeliger zu finden, in dem der Depotkunde mit „235 Allianz-Aktien“ aufgefordert wird, ein „Angebot zum kostenlosen Bezug von Optionsscheinen der Futurevalor AG“ anzunehmen. Genauer heißt es da: „Die Futurevalor AG bietet jedem Aktionär, der am 20. 5. 2009 (Ex-Tag) mindestens eine Allianz in seinem Depot hält, 5 000 Optionsscheine der Futurevalor AG kostenfrei zu beziehen. Jeder Optionsschein berechtigt zum Bezug von jeweils einer Stammaktie zum Preis von einem Euro pro Stück.“

Nun denkt sich der Bankkunde, wenn ich schon so ein offizielles Schreiben erhalte und das auch noch mit der Allianz zu tun hat, dann wird das wahrscheinlich ein gutes Angebot sein. Sonst wüssten die ja nicht so konkret die Zahl meiner Allianz-Aktien im Depot, und ein Euro pro Stück klingt ja auch irgendwie billig.

Und schon sitzt der Anleger in der Falle. Möglicherweise.

Denn manche Finanzhaie sind nicht nur bissig und böse, sondern auch ziemlich clever. Erster Trick ist die Sache mit den Allianz-Aktien. Da vermutlich nahezu jeder Aktienanleger Allianz in seinem Depot hält, erhalten vermutlich Zigtausende dieses Angebot, das im Übrigen automatisch von den Banken an ihre Kunden geschickt wird. Ob die Kreditinstitute wollen oder nicht, sie müssen die Offerte weitergeben, ob sinnlos oder nicht, ob link oder nicht, spielt alles keine Rolle. Die genaue Aktienanzahl weiß die Futurevalor natürlich auch nicht, die wird von den Banken aufgrund der Optionsscheinbedingungen „eingepflegt“. Aber das gibt halt diesen schönen – gewünschten – offiziösen Anstrich.

Zum zweiten erweckt das Angebot unter Umständen auch den – vermutlich gewünschten – Eindruck, es könne gar eine Allianz-Aktie höchst preiswert erworben werden. Das ist aber keinesfalls so, sondern es können lediglich Aktien der Futurevalor AG zum Stückpreis von einem Euro erworben werden. Ob die Aktie aber diesem Wert nahe kommt, wage ich doch sehr zu bezweifeln, es könnten durchaus auch nur ein paar Penny sein. Oder auch nur heiße Luft. Zu holen ist im Zweifel bei einer in Liechtenstein beheimateten AG ohnehin nicht viel.

Wer genau nachliest, mag leicht erkennen, wie der Hase laufen könnte. Immerhin und gottlob rät das Bankhaus C. L. Seeliger im Kundenanschreiben, „vor der Annahme des Angebotes sowohl den Anbieter als auch die wirtschaftliche Substanz der Anlage genau zu prüfen . . .“. Auch die Allianz beeilt sich zu versichern, mit der Futurevalor AG nichts zu tun zu haben. Ich fürchte trotzdem, dass sich wieder etliche in den geschickt ausgelegten Fangnetzen der Futurevalor AG verheddern werden. Ein starkes Stück.
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