ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Immuntherapie hilft Kindern mit Neuroblastom

AKTUELL: Akut

Immuntherapie hilft Kindern mit Neuroblastom

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology, die vom 29. Mai bis 2. Juni in Orlando stattfand, wurden Daten einer Phase-III-Studie zur Immuntherapie von Kindern mit Hochrisiko-Neuroblastomen präsentiert. Das Ergebnis: Die kombinierte Gabe der Zytokine GMCSF (Granulozyten-Makrophagen-Koloniestimulierender Faktor) und Interleukin-2 mit einem monoklonalen Antikörper gegen ein Glykolipid auf Neuroblastomzellen, das Gangliosid GD2, mindert als Konsolidierungstherapie nach intensiver Vorbehandlung die Rate des krankheitsfreien Überlebens um 20 Prozent (absolut). Dies gilt für einen durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren. „Es ist die erste große klinische Studie, die belegt, dass die Kombination aus Zytokinen mit einem monoklonalen Antikörper eine effektive Tumortherapie ist“, sagte Studienleiterin Prof. Alice Yu von der University of California in San Diego. Erstmals habe eine Immuntherapie die Heilungschance von Kindern mit Hochrisiko-Neuroblastomen deutlich erhöht.

An der Studie der Children’s Oncology Group (COG) haben 226 Kinder mit neu diagnostizierten Tumoren teilgenommen. Sie erhielten eine Chemotherapie, wurden operiert, dann stammzelltransplantiert und im Anschluss randomisiert (1 : 1) in eine Gruppe, die mit sechs Zyklen 13-cis-Retinsäure weiterbehandelt wurde oder zusätzlich – im Wechsel mit cis-Retinol – die Immuntherapie erhielt. Vor der Randomisierung waren die Patienten in partielle oder komplette Remission gekommen. Nach durchschnittlich 2,1 Jahren hatten 46 Prozent der Kinder mit Standardtherapie ereignisfrei überlebt, aber 66 Prozent derer, die zusätzlich Antikörper und Zytokine erhalten hatten. Das Gesamtüberleben betrug 75 Prozent im Kontroll- und 86 Prozent im Behandlungsarm. Bei circa 40 Prozent der Neuroblastomdiagnosen im Kindesalter handelt es sich um einen Hochrisikotumor.

Die neue Publikation werde Anlass für pädiatrisch-onkologische Arbeitsgruppen in Europa sein, die Anwendungsmöglichkeiten des Anti-GD2-Antikörpers neu zu diskutieren, sagte Prof. Dr. med. Frank Berthold von der Abteilung Kinderonkologie der Universitätsklinik Köln im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Dort ist der Antikörper zwischen 1997 und 2002 im Rahmen einer Studie bei Kindern mit Neuroblastom angewandt worden – ohne eindeutigen Vorteil für die Immuntherapie (JCO 2004; 22: 3549–58). Allerdings hätten die Patienten nicht zusätzlich Zytokine erhalten, und es handele sich in den Studien offenbar auch um unterschiedliche Subgruppen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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