ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Grenzüberschreitende Gesundheitsleistungen: Behandlungskomfort zu günstigen Preisen

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Grenzüberschreitende Gesundheitsleistungen: Behandlungskomfort zu günstigen Preisen

Spielberg, Petra

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LNSLNS Immer mehr Patienten entscheiden sich für eine Behandlung im EU-Ausland. Hauptmotive sind der Wunsch nach einer intensiven Betreuung und die geringeren Kosten.

Wächst das Vertrauen der Deutschen in die Gesundheitsversorgung im europäischen Ausland? Eine Studie der Techni-ker-Krankenkasse (TK) legt den Schluss nahe, dass die Scheu vor einer Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in anderen Ländern der Europäischen Union (EU) sinkt. 2007 waren danach 40 Prozent der Auslandsbehandlungen geplant. 60 Prozent gingen auf einen Akut- oder Notfall zurück, wie die TK in ihrer „Ergebnisanalyse zu EU-Auslandsbehandlungen 2007“ feststellt. Vier Jahre zuvor hätten weniger als sieben Prozent der TK-Mitglieder eine geplante Behandlung im EU-Ausland in Anspruch genommen.

Für die aktuelle Analyse wertete die Kasse Antworten von 12 000 ihrer Mitglieder aus und rechnete die Ergebnisse auf Deutschland hoch. „Wachsende Patientenströme dürften langfristig nicht nur zu mehr Wettbewerb unter den Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen führen, sondern auch zu mehr Wettbewerb zwischen den europäischen Gesundheitssystemen“, prophezeit TK-Sprecherin Denise Jacoby.

Dennoch kommt auch die TK nur auf einen Anteil von einem Prozent der GKV-Mitglieder, die sich 2007 außerhalb ihrer Heimat versorgen ließen. Zu den Staaten, in denen sich die Versicherten bevorzugt behandeln ließen, zählten die klassischen Reiseländer Spanien, Österreich und Italien. Es folgten Tschechien, Polen, Frankreich, die Schweiz und Ungarn. Zu 97 Prozent sei die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen im Rahmen eines privaten Auslandsaufenthalts erfolgt.

„Auch die Verteilung der Erkrankungen weist auf eine stärkere Tendenz zu geplanten Behandlungen hin“, heißt es in der Studie. Während der Anteil der unfallbedingten Verletzungen, wie offene Wunden, Brüche, Verbrennungen und Vergiftungen, 2003 noch 25 Prozent betragen habe, seien es 2007 nur noch 14 Prozent gewesen. Dies gelte auch für akute Erkrankungen der Atmungsorgane (Erkältung, Grippe, Lungenentzündung), deren Anteil an den Auslandsbehandlungen zwischen 2003 und 2007 um zwölf Prozent zurückgegangen sei. Zugenommen habe hingegen die Versorgung von Gelenk- und Rückenleiden, die 2007 ein Drittel aller im Ausland behandelten Erkrankungen ausgemacht hätten (2003: zehn Prozent). An der Spitze der Versorgungsleistungen im EU-Ausland stand die Behandlung durch einen Allgemeinarzt (38 Prozent), gefolgt von Arzneimittelrezepten (31 Prozent), Heilmittelverordnungen und Kuren (beide 24 Prozent).

Niedergelassene Fachärzte wurden in 21 Prozent der Fälle aufgesucht. Der Anteil der stationären Krankenhausbehandlungen betrug der Analyse zufolge lediglich sieben Prozent. Die TK führt die starke Inanspruchnahme ambulanter Leistungen einschließlich von Arznei- und Heilmittelverordnungen auf das „ausgeprägte Kostenbewusstsein der Patienten bei Eigenleistungen und Zuzahlungen“ im deutschen Gesundheitssystem zurück.

Ein Problem seien aber weiterhin die mitunter komplizierten Abrechnungsverfahren zwischen den EU-Staaten. 35 Prozent der Befragten gaben an, mit der Abrechnung der Auslandsleistungen nicht zufrieden gewesen zu sein. Mehr als vier Fünfteln der Versicherten (83 Prozent) waren Kosten entstanden, die sie selbst tragen mussten, da die gesetzlichen Krankenkassen geplante Auslandbehandlungen nur zu einem Teil erstatten dürfen.

Als wesentliches Motiv für eine Auslandsbehandlung machte die TK eine von den Versicherten im EU-Ausland im Vergleich zu Deutschland häufig „gefühlte“ intensivere Betreuung und einen höheren Behandlungskomfort zum gleichen oder einem niedrigeren Preis aus. Hinzu kommen der Wunsch nach finanziellen Einsparungen bei hierzulande zuzahlungspflichtigen Leistungen sowie das Interesse, von neuen Behandlungsmethoden und ausgewiesenen Spezialisten im Ausland profitieren zu wollen.

Die Nutzung von Vertragseinrichtungen der TK spielt nach Angaben der Kasse ebenfalls eine wichtige Rolle. Seit Januar 2004 können die Kassen nach dem Sozialgesetzbuch V auch mit Leistungsanbietern im europäischen Ausland Verträge schließen.
Petra Spielberg
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