ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Uwe Tellkamp: Sachlich nicht haltbar
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Mehrere teils im DÄ veröffentlichte, teils an mich persönlich gerichtete Briefe verlangen eine Richtigstellung einiger Passagen meines Interviews im DÄ. Oberärzte an Kliniken der DDR standen wegen bestimmter dienstlicher Spezifika (Stellung, in der Regel eigenes Dienstzimmer, in der Regel langjährige Kenntnis der Klinik) im Fokus der Staatssicherheit. Wie bekannt ist, standen sie dort nicht allein. Es lag und liegt mir fern, Kollegen im allgemeinen, gar einer ganzen Berufsgruppe im besonderen, den Oberärzten an Kliniken Dresdens vor 1989, zu nahe zu treten. Insofern ist das Attribut „jeder“ in meiner Aussage „ . . . und jeder Oberarzt hatte Kontakt zur Stasi“ sachlich ein nicht haltbarer verbaler Fehlgriff, in seiner Pauschalität verunglimpfend, wofür ich alle Kollegen, die sich betroffen fühlen, um Entschuldigung bitte. Mein Roman „Der Turm“, auf den in einigen Leserbriefen ebenfalls eingegangen wird, weiß es da besser als sein Autor: siehe die Figur des Oberarztes Weniger und auch die – zwiespältige – des Oberarztes Hoffmann. Mehr als das Wort „jeder“ scheint das Wort „Kontakt“ zu Missverständnissen geführt zu haben. Keineswegs meinte ich damit, wie dem Brief Herrn Dr. Eckhardts zu entnehmen ist, dass „Kontakt“ bereits IM-Tätigkeit beziehungsweise Zuträgerschaft bedeute oder als solche auslegbar sei. Ich wollte mit dieser Formulierung ausdrücken, dass ich es für unwahrscheinlich halte, dass ein Mensch in gehobener, meist also mehr oder weniger langjähriger beruflicher Tätigkeit in der DDR (ganz gleich wo, keineswegs nur in Kliniken) niemals mit der Staatssicherheit in Berührung gekommen sein soll. Sei es als Betroffener, sei es in der einfachsten Form: schlichte Begegnung. Oder Begegnung mit jemandem, der begegnete. „Kontakt“, wenn man im Bedeutungsfeld bleibt, konnte manchmal sogar ohne Kenntnis des „Kontaktierten“ erfolgen. Auch dies trifft keineswegs allein oder gar global auf die Berufsgruppe der (Ober-)Ärzte zu. Es ist bekannt, dass im öffentlichen Dienst Sachsens Kommissionen eingesetzt wurden, die, nicht nur im Hochschulbereich, auf gesetzlicher Grundlage Überprüfungen gerade dieser Problematik vorgenommen haben. Es durften nur unbelastete (Ober-)Ärzte weiterbeschäftigt werden. Es ist aber auch bekannt, dass manche Grundlagen für diese Überprüfungen nicht mehr vorhanden waren. „Persilscheine“ für widerspruchsfreie Wahrheit zu halten, ist meines Erachtens genauso falsch wie meine Aussage „jeder“.
Uwe Tellkamp, Freiburg
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