ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Streitgespräch: Fair geführt
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Wenn der Medizinrechtler Prof. Dr. Taupitz einerseits eine ärztliche Verpflichtung zur von Suizidwilligen unstreitig verlangten Beihilfe zur Selbsttötung verneint – unter Hinweis auf die „Gewissensentscheidung“ des einzelnen Arztes beziehungsweise Ärztin, „ebenso wie bei der Abtreibung“ – , andererseits aber der Suizident aus einem misslungenen ärztlichen Suizidbeistand einen Haftungsanspruch gegen den aktiv tätig gewordenen Arzt ableiten kann, ist es logischerweise nur ratsam, jegliche Beihilfe zur Selbsttötung (auch bei Bilanzselbsttötung) abzulehnen und dem schon im hippokratischen Ärzteeid klar formulierten Tötungsverbot zu folgen. Dies schließt ärztlich-palliative Sterbebegleitung keineswegs aus, macht sie im Rahmen mitmenschlicher Zuwendungsmedizin für gefährdete Patienten nur umso dringender geboten. Aus dem fair geführten Streitgespräch wird zugleich deutlich, wie richtig es ist, dass die (Muster-)Berufsordnung der Deutschen Bundes­ärzte­kammer das Genfer Ärztegelöbnis (auf der historischen Grundlage des hippokratischen Eides) in der Präambel für unseren Berufsstand verpflichtend vorschreibt, auch wenn der Eid wie das moderne Genfer Gelöbnis laut Herrn Taupitz „rechtlich keine Bedeutung hat“ (sic!). Selten ist der fundamentale Unterschied zwischen standfestem ärztlichen Berufsethos und wandelbarer juristischer Rechtslage (passive Beihilfe zum Suizid straflos, aktive Beihilfe als aktive Sterbehilfe rechtswidrig und strafbar) so deutlich erkennbar geworden. Es ist höchste Zeit, die klare Verpflichtung jeglichen aktiven Tötungsverbots immer wieder der Ärzteschaft bewusst zu machen (und auch die Studierenden darüber bereits zu belehren). Denn ohne Einhaltung dieser Verpflichtung ist eine schiefe Ebene relativistischer Scheinethik betreten, die geradezu zwangsläufig zum Verlust des Vertrauensverhältnisses in der Arzt-Patient-Beziehung führt.
Prof. em. Dr. med. Otto Paul Hornstein, Danziger Straße 5, 91080 Uttenreuth
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