ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Sprengel-Museum: Von der Schönheit einer zerbrechenden Welt

KULTUR

Sprengel-Museum: Von der Schönheit einer zerbrechenden Welt

Krannich, Stephanie

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Robert Delaunay: Formes circulaires, 1913, Tempera und Öl auf Leinwand, 75 × 61 cm, Museum Folkwang, Essen Foto: L & M Services B.V. The Hague 20080818
Robert Delaunay: Formes circulaires, 1913, Tempera und Öl auf Leinwand, 75 × 61 cm, Museum Folkwang, Essen Foto: L & M Services B.V. The Hague 20080818
Eine grandiose Werkschau der Expressionisten Franz Marc, August Macke und Robert Delaunay ist zurzeit in Hannover zu sehen.

Wenn Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft einer Ausstellung übernimmt, handelt es sich immer um eine Besonderheit: In der Tat, es ist eine Schau der Superlative, die das Sprengel-Museum in Hannover derzeit unter dem Titel „Marc, Macke und Delaunay – Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910–1914)“ präsentiert. Rund 90 hochkarätige Gemälde sowie 100 Aquarelle und Zeichnungen von internationalen Leihgebern zeigen die verschiedenen Etappen der gegenseitigen künstlerischen Beeinflussung dieser drei Malerfreunde und ihre internationalen Beziehungen. Die Ausstellung konzentriert sich auf den kurzen Zeitraum vor dem Ersten Weltkrieg, in dem Macke und Marc ihre expressionistischen Hauptwerke schufen und Delaunay die Grundpositionen seiner weiteren Arbeiten anlegte.

August Macke (1887–1914) studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und Kunstgewerbeschule. Durch Reisen nach Paris setzte er sich mit dem französischen Impressionismus, dann mit den „Fauves“ auseinander. Macke stellte eine heitere Welt mit klaren Formen in harmonischer, intensiver Farbgebung dar. 1909 lernte er Franz Marc kennen: der Beginn einer nicht immer unbelasteten Malerfreundschaft und einer regen Korrespondenz über Fragen der Kunst. Franz Marc (1880–1916) wollte ursprünglich Pfarrer werden. Er wandte sich aber dem Studium der Philosophie und der Kunst zu. Auch ihn zog es wiederholt zum künstlerischen Austausch nach Paris. Er malte zunächst im impressionistischen Stil, dann flossen fauvistische Elemente sowie kubistische und futuristische Strukturen in seine Werke ein. Er stellte vorwiegend Tiere, mit Vorliebe Pferde dar, die er zunehmend stilisierte und bei denen er die Farbe als selbstständiges Ausdrucksmittel einsetzte. Robert Delaunay (1885–1941) begann nach abgebrochener Schulausbildung eine Lehre bei einem Bühnenmaler, widmete sich dann aber ausschließlich seiner Malerei. 1911 folgte er einer Einladung Kandinskys, in München an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, der Marc und Macke angehörten, teilzunehmen. Angetan von dessen Arbeiten suchten die beiden Deutschen 1912 Delaunay in seinem Atelier in Paris auf, der ihnen seine „Fenêtres“ (Fensterbilder) vorstellte. In diesen setzte er sich mit dem Phänomen der Lichtbrechung auseinander. Diese Begegnung war für Marc und Macke ein Schlüsselerlebnis. Tief beeindruckt von der Aufsplitterung von Farbe und Form übernahmen sie dies in ihren Werken. Zur zweiten und letzten Begegnung der drei Künstler kam es 1913 in Berlin anlässlich des „Ersten Deutschen Herbstsalons“ in der Galerie „Der Sturm“. Dort präsentierte Delaunay seine „Formes Circulaires“, abstrakte Kreisformationen, die Marc und Macke ebenfalls zu abstrakten Kompositionen anregten. Delaunay war für beide der wichtigste Impulsgeber ihrer Entwicklung. Der sprachgewandten Ehefrau und Künstlerkollegin Sonia Delaunay ist ein eigener Raum mit Arbeiten verschiedener Schaffensphasen gewidmet.

Die letzten Werke Marcs und Mackes zeugen von ihrer Vorahnung der bevorstehenden Katastrophe. Mackes beeindruckendes, unvollendetes, in düsteren Farben gemaltes Bild „Abschied …“ ist geradezu prophetisch. 27-jährig starb er im Gefecht in der Champagne. Marc fiel zwei Jahre später bei Verdun. Delaunay erlag im Alter von 56 Jahren einem Krebsleiden.
Dr. med. Stephanie Krannich

Informationen
Die Ausstellung „Marc, Macke und Delaunay – Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910–1914)“ ist bis zum 19. Juli im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags und sonntags sowie an Feiertagen zehn bis 20 Uhr, freitags und samstags zehn bis 22 Uhr. Montags geschlossen. Weitere Informationen unter Telefon: 0511/16 84 38 75 oder im Internet unter: www.sprengel-museum.de oder www.marc-macke-delaunay.de
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