ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Magnetresonanztomografie: Stellenwert in der Onkologie nimmt zu

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Magnetresonanztomografie: Stellenwert in der Onkologie nimmt zu

Simm, Michael

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Die MRT der Brust hat zwar eine hohe diagnostische Aussagekraft, aber für ein routinemäßiges Screening ist sie derzeit zu kostenintensiv. Foto: laif
Die MRT der Brust hat zwar eine hohe diagnostische Aussagekraft, aber für ein routinemäßiges Screening ist sie derzeit zu kostenintensiv. Foto: laif
Guter Kontrast, hohe räumliche Auflösung und detaillierte morphologische Informationen machen die MRT zum vielversprechenden Verfahren für das Sekundär-Screening.

Beim Einsatz der Magnetresonanztomografie (MRT) im Bereich der Onkologie können neue Techniken und Kontrastmittel nicht nur das Screening und die Diagnose verbessern, sie werden auch beim Staging und bei der Behandlungskontrolle immer bedeutsamer. In den USA, aber auch in Europa, habe der Gebrauch der MRT insbesondere beim Brustkrebs im vergangenen Jahrzehnt um jährlich bis zu 50 Prozent zugenommen, sagte Prof. Dr. Hans Maier, Leiter der Geschäftseinheit Diagnostische Bildgebung der Bayer-Schering-Pharma AG, bei einem Workshop in Berlin. Dieser Trend werde sich auch im kommenden Jahrzehnt fortsetzen. Weltweit würden bildgebende Prozeduren bis 2018 um jährlich sieben Prozent zunehmen, in den östlichen EU-Staaten um zehn Prozent und in China sogar um 21 Prozent.

„20 Jahre nachdem mit Magnevist® das erste Kontrastmittel für die MRT auf dem Markt eingeführt wurde, werden heute bis zu einem Drittel aller Untersuchungen mit diesen Agenzien durchgeführt“, erklärte Maier.

Hohe Befundrate beim Ganzkörperscan
Weil sie anders als Röntgentechniken keine ionisierende Strahlung erzeuge und exzellenten Kontrast der Gewebe mit hoher räumlicher Auflösung und detaillierten morphologischen Informationen verbinde, sei die MRT eine vielversprechende Methode für das Tumor-Screening, betonte Prof. Dr. med. Maximilian Reiser, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Reiser verwies auf eine Pilotstudie, bei der 298 asymptomatische Individuen MRT-Ganzkörperscans unterzogen wurden. Bei 21 Prozent der Probanden hatte man arteriosklerotische Erkrankungen einschließlich Schlaganfällen und Herzinfarkten nachweisen können, bei zwölf Personen hatte man Darmpolypen entdeckt, und außerdem wurde ein Nierenzellkarzinom aufgezeigt.

Wegen der bis zu zehnjährigen Latenzzeiten zwischen gutartigen Darmpolypen und Malignomen sei insbesondere die MR-Kolonografie eine vielversprechende Anwendung für das Sekundär-Screening. Allerdings müsse man nach ersten ermutigenden Berichten – wie auch für andere Screening-Programme – die Langzeitergebnisse abwarten, bevor Rückschlüsse auf den gesundheitlichen Nutzen und die Kosteneffektivität gezogen werden könnten, so Reiser.

Besonders intensiv diskutiert werde der Nutzen der MRT derzeit beim Brustkrebs: Die 10-Jahres-Überlebensrate nach der Diagnose eines lokalisierten Mammakarzinoms sei zwar auf 90 Prozent gestiegen, dennoch entfielen etwa 40 Prozent aller weiblichen Krebstoten auf diese Tumorentität, sagte Prof. Dr. med. Christiane Kuhl, Leiterin der Abteilung Onkologische Bildgebung der Universität Bonn. Probleme bei der Begutachtung der Mammografie gebe es vor allem bei Frauen mit dichtem Brustgewebe, was einen hohen Prozentsatz falschpositiver Befunde verursache. Die kontrastverstärkte MRT könne bei diesen Patientinnen eine Alternative sein. Kuhl verwies auf neue US-amerikanische Richtlinien, wonach die MRT bei allen Frauen erfolgen sollte, deren Brustkrebsrisiko höher ist als 25 Prozent. Das durchschnittliche Brustkrebsrisiko liege bei 14 Prozent.

Die Radiologin plädierte dafür, die MRT in jedem Fall nach der Erstdiagnose eines Mammakarzinoms einzusetzen. „Ein routinemäßiges Brustkrebs-Screening mithilfe der MRT würde das Gesundheitssystem ruinieren“, räumte Kuhl ein. „Aber man sollte die Frauen über den Nutzen dieser Methode aufklären, selbst wenn sie sie selbst bezahlen müssten.“ Die Ausweitung von 3-D-Ultraschall-Untersuchungen könne die gegenwärtige Situation verbessern, sei aber gegenüber der MRT weniger genau und würde mit annähernd zehn Prozent zu viele falschpositive Befunde erzeugen.
Michael Simm

Workshop zum 20-jährigen Jubiläum der Magnetresonanztomografie in Berlin, Veranstalter: Bayer- Schering
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Goehde SC et al.: Full-body cardiovascular and tumor MRI for early detection of disease: feasibility and initial experince in 298 subjects. Am J Roentgenol 2005; 184: 598–611 MEDLINE
1. Goehde SC et al.: Full-body cardiovascular and tumor MRI for early detection of disease: feasibility and initial experince in 298 subjects. Am J Roentgenol 2005; 184: 598–611 MEDLINE

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