ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2009Kreditvergabe: Zinsgünstige Alternativen für Arztpraxen

WIRTSCHAFT

Kreditvergabe: Zinsgünstige Alternativen für Arztpraxen

Dtsch Arztebl 2009; 106(23): A-1210 / B-1034 / C-1006

Vetter, Michael

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Besonders in einer Zeit, in der die Banken Kreditwünsche nur sehr zögerlich erfüllen, sind auch für Ärzte öffentliche Förderprogramme besonders attraktiv.

Die Finanzkrise beziehungsweise die damit einhergehende Zurückhaltung der Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe sollte Ärztinnen und Ärzte mit Investitionsbedarf dazu bewegen, sich nach Finanzierungsalternativen umzusehen. Dazu gehören vor allem öffentliche Förderprogramme mit in der Regel günstigen Kreditkonditionen. Allerdings bieten die herkömmlichen Banken, die regelmäßig in die Beantragung dieser Kreditmittel einzubinden sind („Hausbankprinzip“), bei der Beratung ein wenig einheitliches Bild. Letztlich hängt es von der Bank oder Sparkasse ab, ob und in welchem Umfang der Arzt bei der Auswahl öffentlicher Mittel unterstützt wird. Dabei kann auf diese öffentlichen Finanzierungsbausteine im Rahmen einer finanziell tragbaren Gesamtfinanzierung vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum mehr verzichtet werden.

Die Programme der KfW-Mittelstandsbank
Als einer der größten Kreditgeber öffentlicher Mittel gilt die KfW-Mittelstandsbank, die wegen ihrer Produktvielfalt in der Lage ist, nahezu jede wirtschaftlich vertretbare Investitionsmaßnahme von Arztpraxen in unterschiedlicher finanzieller Größenordnung zu begleiten.

Das KfW-Sonderprogramm 2009 bietet Ärzten Kredite für Investitionen an, die eine mittel- oder langfristige Finanzierung erfordern und die einen nachhaltigen Erfolg erwarten lassen. Auch Anschlussfinanzierungen beziehungsweise Prolongationen können auf diesem Weg gefördert werden. Zur Absicherung werden bankübliche Sicherheiten erwartet, die mit der Hausbank zu vereinbaren sind.

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ist der Unternehmerkredit, mit dessen Hilfe Investitionsmaßnahmen durchgeführt und vorübergehende Liquiditätsengpässe ausgeglichen werden können. Dabei lässt diese Finanzierungsvariante unterschiedliche Vertragsgestaltungen zu. Neben Zinsbindungen von bis zu zehn oder 20 Jahren ist eine tilgungsfreie Anlaufzeit ebenso möglich wie vorzeitige Tilgungen. Auch hier bestehen durchaus Verhandlungsspielräume bei den jeweiligen Sicherheiten, die sich ebenfalls nach den individuell mit der Bank getroffenen Vereinbarungen richten.

Eine „Produktfamilie“, das Unternehmerkapital, bietet Praxen darüber hinaus weitere Möglichkeiten öffentlicher Finanzierungen. Mit diesem Förderprogramm werden von der KfW-Mittelstandsbank langfristige Nachrangdarlehen angeboten, deren wesentliches Merkmal darin besteht, dass der Darlehensgeber im Rang hinter den Forderungen der übrigen Fremdkapitalgeber zurücktritt. Hinzu kommt, dass neben der persönlichen Haftung der natürlichen Person als Endkreditnehmer in der Regel keine zusätzlichen Sicherheiten erforderlich sind. Diese Produktfamilie zielt darauf ab, die unterschiedlichen Entwicklungsstufen einer Praxis finanziell zu begleiten.

Daneben bieten auch andere Förderbanken, die sich vor allem auf die Stabilisierung der regionalen Kreditmärkte spezialisiert haben, interessante Kreditprodukte an. Ärzte sollten ihre Ansprechpartner bei den Bankinstituten hierzu ebenso um eine sorgfältige Beratung bitten wie bei den Finanzierungsprogrammen der KfW-Mittelstandsbank.

Voraussetzung für die Beantragung öffentlicher Förderkredite ist eine sorgfältig aufbereitete Finanzplanung. Dazu sollte zunächst mit-hilfe der Investitionsplanung geklärt werden, welcher Gesamtbetrag zur Finanzierung erforderlich ist und für welche Vorhaben innerhalb des Investitionsplans die jeweiligen Mittel verwendet werden sollen. Sind diese Punkte geklärt, geht es um die Finanzierungsstrategie und hier insbesondere um die Frage der Höhe des Fremdkapitals. Neben Bankkrediten und öffentlichen Fördermitteln stehen dazu etwa auch Leasing- oder Beteiligungsfinanzierungen zur Verfügung. Die Entscheidung, welcher Finanzierungsmix für die jeweilige Praxis geeignet ist, orientiert sich am ebenfalls zwingend erforderlichen Liquiditäts- und Rentabilitätsplan. Während der Liquiditätsplan, der zunächst für einen Zeitraum von etwa einem Jahr erstellt und vor allem regelmäßig aktualisiert werden sollte, möglichst konkrete Hinweise über die jetzige und künftige Zahlungsfähigkeit der Praxis geben soll, dient der Rentabilitätsplan dem Ziel, angemessene Gewinne zu erzielen und möglichst Rücklagen zu bilden.
Eine komplexe Finanzplanung mit den dargestellten strategischen Schritten sollte mithilfe des Steuerberaters erfolgen. Darüber hinaus bieten auch Banken betriebswirtschaftliche Hilfe bei Existenzgründungen oder bei Existenzfestigungen an. So legt die Hausbank den „risikogerechten Zins“ für ein KfW-Förderdarlehen fest: Bei der Zinsfestlegung werden die wirtschaftlichen Verhältnisse des Arztes/der Praxis (Bonität) sowie die zur Verfügung stehenden Kreditsicherheiten (Werthaltigkeit der Besicherung) berücksichtigt. Dabei gilt: Je besser die Bonität ist und je werthaltiger die Sicherheiten sind, umso niedriger ist der Zinssatz.

Im ersten Schritt wird die Bonität vor allem anhand von Unterlagen zur Vermögens- und Ertragslage wie betriebswirtschaftlichen Auswertungen und Einnahme-Überschuss-Rechnungen beurteilt. Dazu werden Ratingverfahren oder andere Bewertungsmodelle verwendet, die das Risiko der Kreditvergabe einschätzen sollen. Im Ergebnis wird der Arzt/die Praxis dann von der Hausbank einer von sechs von der KfW definierten Bonitätsklassen zugeordnet.

Im zweiten Schritt prüft die Hausbank die Kreditsicherheiten und schätzt ein, welcher Kreditanteil durch zu erwartende Erlöse aus diesen Sicherheiten abgedeckt werden kann. Ziel ist es hier, die Werthaltigkeit jeder Sicherheit zu ermitteln. Anschließend werden die Sicherheiten in eine von vier Besicherungsklassen eingeordnet.

Durch die abschließende Kombination der jeweils ermittelten Bonitäts- und Besicherungsklassen kommt die Hausbank im dritten Schritt zu einer von sieben Preisklassen. Dabei deckt jede Preisklasse eine Bandbreite mit einer festen Zinsobergrenze ab, innerhalb derer der kundenindividuelle Angebotszinssatz der Hausbank liegt.
Michael Vetter

Das Vorgehen
Der Weg des Arztes zu öffentlichen Förderprogrammen:
- Zunächst gilt es, sich im Internet einen ersten Überblick über einzelne Förderprogramme einschließlich der jeweiligen Kreditkosten zu verschaffen. Folgende Internetseiten bieten sich dazu an: www.subventionen.de, www.foerderdaten bank.de, www.kfw-mittelstandsbank.de, www.bmwi.de
- Anschließend sollte das Gespräch mit dem zuständigen Bankmitarbeiter gesucht werden, der den Arzt bei der Auswahl der für seine Praxis geeigneten Programme unterstützt.
- Gemeinsam mit dem Steuerberater und dem Bankmitarbeiter gilt es nun abzustimmen, wie der Finanzierungsplan einschließlich der öffentlichen Gelder konkret aussehen soll und vor allem welche Unterlagen und Kreditsicherheiten für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des Arztes beigebracht werden müssen (Stichwort: „Bonitätsbeurteilung“).
- Die Hausbank sollte dann Gelegenheit erhalten, auch eigene Finanzierungsalternativen mit entsprechend vergleichbaren Kreditbedingungen vorzustellen.
- Sämtliche Überlegungen sollten im Rahmen eines Zeitplans konkretisiert werden. Zu berücksichtigen sind dabei insbesondere die erforderlichen Bearbeitungszeiträume der beteiligten Kreditinstitute.
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