ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2009Forschung mit Avataren: Blickkontakt und soziale Angst

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Forschung mit Avataren: Blickkontakt und soziale Angst

PP 8, Ausgabe Juni 2009, Seite 273

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LNSLNS Psychologen der Universität Würzburg haben sich mithilfe innovativer Computertechnologie mit sozialer Phobie beschäftigt. Sie erschufen computeranimierte Köpfe von Männern und Frauen (sogenannte Avatare) und zeigten sie 145 Frauen, die unter unterschiedlichen Graden sozialer Angst litten. Die Gesichter der Avatare hatten einen neutralen Gesichtsausdruck. Zu Beginn einer kurzen Videosequenz waren die Augen der Avatare geschlossen. Dann öffneten sie sie und sahen die Probandinnen direkt an oder an ihnen vorbei. Dabei wurde auch das Blickverhalten der Probandinnen aufgezeichnet. Es stellte sich heraus, dass hochängstliche Teilnehmerinnen die Augenpartie der Avatare etwas länger betrachteten als weniger ängstliche Frauen, vor allem wenn der Blickkontakt direkt war. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Probandinnen genauer abschätzen wollten, ob ihnen Gefahr drohte. Als die Teilnehmerinnen aufgefordert wurden, den Avataren direkt in die Augen zu blicken, erhöhte sich bei den hochängstlichen Frauen die Herzschlagrate. „Dies weist darauf hin, dass sich Hochängstliche durch direkten Blickkontakt bedroht fühlen“, so die Autoren. Sie halten die Blicksimulation durch Avatare für sehr realitätsnah und glauben, dass Avatare in Zukunft gute Dienste leisten könnten bei kognitiv-behavioral orientierten Behandlungsformen wie etwa systematischer Desensibilisierung oder Exposure mit Reaktionsverhinderung. ms

Wieser M, Pauli P, Alpers G, Mühlberger A: Is eye to eye contact really threatening and avoided in social anxiety? An eye-tracking and psychophysiology study. Journal of Anxiety Disorders 2009; 23(1): 93–103.
Matthias Wieser, University of Würzburg, Department of Psychology,
Biological Psychology, Clinical Psychology, and Psychotherapy, Marcusstraße 9–11, 97070 Würzburg, E-Mail: wieser@psychologie-uni-wuerz burg.de
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