ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2009Pesso-Therapie: Anschaulich und allgemeinverständlich

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Pesso-Therapie: Anschaulich und allgemeinverständlich

Moser, Tilmann

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Unter den zahlreichen, neu entstandenen und neu entstehenden Formen der Psychotherapie ragt ein Verfahren heraus, das in ungewöhnlicher Intensität das Gedächtnis des Körpers, seine Bewegungsformen und deren symbolische Bedeutung mit tiefenpsychologischem Denken und biografischer Früherfahrung verbindet. Es ist die aus den USA kommende Pesso-Therapie, die inzwischen an mehreren deutschen Instituten und weltweit an verschiedenen Orten gelehrt und angewandt wird – mit erheblicher Ausbreitungsgeschwindigkeit. Ihre „Erfinder“ und Lehrer sind das Ehepaar Albert und Diane Pesso-Boyden aus New Hampshire.

Sie wird in Gruppen und neuerdings auch in Einzeltherapie angewandt in der Form von „Strukturen“, also einem spezifischen Setting, das dem Patienten unter Anleitung eine Tiefenregression erlaubt, die dazu führt, dass alte destruktive und lebenshemmende Erinnerungen durch neue Erinnerungen und Erlebnisformen überschrieben werden.

Einen hervorragenden Führer durch die Fülle der heilsamen Möglichkeiten bietet einer von Pessos informiertesten und erfahrensten Schüler, der Münchner Psychotherapeut Leonhard Schrenker, der Theorie und Technik der neuen Therapieform gleichermaßen kompetent darstellt. Er instruiert über Ursprung und Entwicklung des neuen Verfahrens, legt in großer Breite ihre vielfältigen Möglichkeiten dar und verknüpft die Darstellung mit einer Fülle von klinischen Beispielen, unter anderem mit der detaillierten Wiedergabe einer solchen Einzelbehandlung in der Gruppe, durch die die kleinen und kleinsten Beobachtungen und weiterführenden Schritte anschaulich erhellt werden. Jede einzelne Therapiebewegung wird in präzisen Erläuterungen erklärt und in der plausiblen Aufeinanderfolge der vom Patienten durch Körperzeichen und Worte geleiteten Bewegungen des Prozesses dargestellt.

Schrenker schreibt anschaulich und allgemeinverständlich, getragen von der nachfühlbaren Überzeugung und dem Wunsch, einem neuen therapeutischen Verfahren zum Durchbruch zu verhelfen. Obwohl die Pesso-Therapie zuerst ein Gruppenverfahren war, kristallisiert sich inzwischen auch die Form der Einzeltherapie heraus, bei der die Funktion der Rollenspieler durch beseelte Symbole ersetzt wird, die Aspekte der innerseelischen „Bühne“ repräsentieren.

Großes Gewicht wird dabei auf die dauerhafte Verinnerlichung der erarbeiteten Alternativen gelegt, die „neuen Erinnerungen“, deren Wirksamkeit direkt abhängt von der Tiefe der Regression und der Stimmigkeit der Antworten auf frühe, nicht angemessen beantwortete Bedürfnisse. Tilmann Moser

Leonhard Schrenker: Pesso-Therapie: Das Wissen zur Heilung liegt in uns. Klett-Cotta, Stuttgart 2008, 332 Seiten, broschiert, 28,90 Euro
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