ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2009Art Karlsruhe: Stetige Steigerung der Qualität

KULTUR

Art Karlsruhe: Stetige Steigerung der Qualität

PP 8, Ausgabe Juni 2009, Seite 276

Jaeschke, Helmut

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Pluspunkte sind die großzügigen, hellen Hallen und die Dichte der Großsammler, die im Einzugsgebiet der Messe wohnen.

Die Art Karlsruhe gibt es seit sechs Jahren, bei den letzten drei Messen ließ sich eine stetige Steigerung der Qualität konstatieren. Während anfänglich besonders auf den „Skulpturenplätzen“ eher kunsthandwerkliche Exponate störten, so überzeugten diesmal auch die Arbeiten so bekannter Bildhauer wie Gerhard Marcks, Karl Hartung, Fabrizio Plessi, Werner Stötzer und Franz Bernhard.

Zum einen sind es die großzügigen, hellen Hallen, die für immer mehr Galeristen interessant sind, zum anderen ist die Dichte der Großsammler, die im Einzugsgebiet der Messe wohnen, ein weiterer Pluspunkt. 40 200 Besucher, rund fünf Prozent mehr als im vergangenen Jahr wurden in diesem Jahr gezählt. Die zunehmende Akzeptanz dieser Messe ist auch der Redaktion der renommierten Kunstzeitschrift „monopol“ nicht entgangen. Erstmalig war sie mit einer Lounge und der Extrabroschüre „monopol kompakt“ auf der Art Karlsruhe vertreten. Zu den Highlights der Kunstmesse zählte die Broschüre darin neben Ernst Ludwig Kirchners Spätwerk „Szene aus dem Sommernachtstraum“ (2,5 Millionen Euro bei Henze und Ketterer, Bern/Schweiz) das in labiler Schräglage balancierende Kreuzobjekt von Eckart Hahn (Galerie Rothamel, Frankfurt am Main, 9 000 Euro). Dieses Objekt mit seiner gelungenen Verschmelzung von christlichem Symbol und Handystyling hat alle Qualitäten, zu einer Ikone des Kommunikationszeitalters zu werden. Und nebenbei deklassiert Eckart Hahn die Objekte von Jeff Koons, die keinerlei Transformation aufwiesen, als das, was sie schon immer gewesen seien, nämlich monumentaler Kitsch.

Impressionen von der Art Karlsruhe – rechts eine Messebesucherin vor einem Werk von Gabi Streile. Fotos: Art Karlsruhe
Impressionen von der Art Karlsruhe – rechts eine Messebesucherin vor einem Werk von Gabi Streile. Fotos: Art Karlsruhe
Gut vertreten war auf der Messe die Leipziger Schule. Die Galerie Schwind (Frankfurt am Main/Leipzig) zeigte die erste Generation mit Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Arno Rink und meldete gute Verkäufe. Die Galerie Leuenroth, ebenfalls Frankfurt am Main, widmete sich der jüngeren Generation mit den aufstrebenden Talenten Jan Dörre und Matthias Ludwig. Erfreuliches hörte man von der ehemals so berühmten Leipziger Hochschule allerdings nicht. Nach dem Rückzug von Neo Rauch ist sein Lehrstuhl für Malerei nur noch als halbe Stelle ausgeschrieben, ein Hinweis darauf, dass auch an dieser Hochschule der jüngst von Markus Lüpertz beklagte Trend, weg von den klassischen Fächern hin zu vermeintlich zeitgemäßeren Medien, nicht mehr aufzuhalten ist. Da war es erfreulich, dass auf dieser Messe gleich bei drei Galerien Werke des Vollblutmalers Johannes Grützke zu sehen waren (KK Klaus Kiefer, Maurer, Schwind). Ebenfalls eindrucksvoll präsentierte sich die Bildhauerin Hede Bühl mit ihren kraftvollen Bronzeköpfen in einer Einzelpräsentation der Galerie Rehberg, Mainz.

Eine Bereicherung der diesjährigen Messe war die Sonderschau „Art From Berlin“ mit vielversprechenden jungen Künstlern, darunter Philipp Hennevogl mit großformatigen Linolschnitten, die gekonnt zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit changieren. Hennevogl wird von der Berliner Galerie Hunchentoot vertreten, die von dem Psychiater Dr. med. Hannes Uhlemann geleitet wird. Alles in allem hat die nächste Art Karlsruhe, die vom 4. bis 7. März 2010 stattfinden wird, beste Voraussetzungen. Es wäre allerdings zu wünschen, dass bis dahin die Finanzkrise, die auch diese Messe nicht ganz verschont hat, beigelegt sein wird.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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