ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1996Börsebius über Steuerersparnis: Unerwartetes Glück

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Steuerersparnis: Unerwartetes Glück

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der ganze Streß mit den Steuersparmodellen hängt mir langsam zum Halse raus", meinte dieser Tage ein Anrufer. Der ob des vielen Schrotts in diesen Dingen sichtlich entnervte Anleger gab denn auch seufzend kund und zu wissen, es sei wohl besser, brav seine Steuern zu zahlen und im übrigen seinen Seelenfrieden zu haben.


Beteiligungsfonds Ost
Da hat der Mann ja im Prinzip recht, und seit dem Auslaufen der Berlin-Darlehen gab es in der Tat eh keine halbwegs sicheren Steuersparmodelle mehr. Aber, und das ist schon eine gute Nachricht: Es tut sich wieder etwas in diesem Bereich: Der Beteiligungsfonds Ost, eigentlich eine Anleihe, präsentiert sich als durchaus reizvolles Modell zum Steuernsparen.
Wie das funktioniert, ist schnell erzählt. Angenommen, Sie haben ein zu versteuern-des Einkommen von 200 000 Mark. Sie zeichnen für 275 000 Mark den neuen Beteiligungsfonds Ost. Der wird ab Januar 1996 vom Bundeswirtschaftsminister aufgelegt, soll die Eigenkapitaldecke ostdeutscher Unternehmen stärken und Ihnen einen jährlichen Zinssatz von 5 Prozent bringen. Sollten Sie nun einwenden, das sei aber arg mickrig, so bedenken Sie bitte, daß Sie auf der Stelle 12 Prozent des eingesetzten Betrages (also 33 000 Mark) von Ihrer Einkommensteuerschuld (zuvor 66 000 Mark) absetzen können. Infos erhalten Sie unter der Telefonnummer der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 0 69/ 74 31 38 00.
Lohnt das denn? Die sogenannte Nachsteuerrendite liegt in unserem Beispiel bei 4,07 Prozent. Das klingt wirklich nicht nach sehr viel, ist aber genau besehen eine ganze Menge wert. Eine risikolose Bundesanleihe müßte nämlich 8,1 Prozent Zinsen bringen, wenn man sich mit ihr besserstellen wollte. Und, das wissen Sie selber, dieser Zinssatz ist derzeit nicht erzielbar, allenfalls mit exotischen und hochriskanten Fremdwährungsanleihen. Also ist der Beteiligungsfonds Ost eine gute Renditeform für Sparer mit bereits ausgeschöpften Freibeträgen.
Wie sicher ist das Ganze aber? Beteiligungsfonds klingt ja eigentlich nach Risiko ("ostdeutsche Unternehmen stärken"), und könnten da nicht auch Verluste eintreten? Das ist eben gerade nicht der Fall, der Staat haftet nämlich für die Rückzahlung der Einlagen. Eine in der Tat so gut wie risikolose Geldanlage.
Der Beteiligungsfonds Ost ist natürlich nicht das ganz große Ding zum Reichwerden. Aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache. Ohne Risiko etwas mehr erwirtschaften als üblich und nebenbei pfiffig Steuern sparen, das ist Lustgewinn genug. Börsebius

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