ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Ärzteschach: Liebe geht, Schach bleibt

SCHLUSSPUNKT

Ärzteschach: Liebe geht, Schach bleibt

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Nichts gegen das Ärzteschachturnier! Einmal mehr wollten an einem strahlend-sonnigen Wochenende im lieblichen Bad Neuenahr mehr als 150 Ärzte, etliche mit Kind und Kegel, nur ein „Brett vorm Kopf“ haben. Auch nichts gegen die dabei verwendeten sogenannten Staunton-Figuren, die auf den großen englischen Meister des 19. Jahrhunderts Howard Staunton zurückgehen und auch bei Weltmeisterschaftskämpfen verwendet werden. Da sind also die Ärzte in bester Gesellschaft.

Und doch! Irgendwie sind es primär funktionale, stilisierte Figuren, die einfach, übersichtlich und gut erkennbar sein sollen, um so bestmöglich langfristige Strategien zu entwerfen und schöne Kombinationen zu ersinnen. Da sind die Schachspiele der Ausstellung „Die Welt der Schachfiguren“ (noch bis zum 28. Juni) beim internationalen Schachsammlertreffen vom 19. bis 21. Juni in Naumburg im wahrsten Sinne des Wortes aus einem anderen Holz geschnitzt. Aber nicht nur aus Linden-, Eben- und sonstigem Holz – von Elfenbein über Meißener Porzellan, Bronze, Stein und Knochen bis zum aus Brot geformten Gefangenenspiel findet man vieles, was das Auge erfreut und die nahezu zwei Jahrtausende alte Geschichte des Schachspiels widerspiegelt.

Der Naumburger Dom rühmt sich nicht nur der weithin bekannten Uta, sondern auch der Schach spielenden Affen – ein Grund der vielen Tierschachspiele in dieser Ausstellung. Da kämpfen im „Meeresspiel“ Seepferdchen gegen anderes Getier der Ozeane, während im „Froschspiel“ vom Froschkönig bis zur Quintessenz des Froschseins, dem Springer-Frosch, alles froschhaft ist. Ganz schön verwirrend – und ganz schön!

Wie konnte da nur der Banause Johann Wolfgang von Goethe (im „Götz von Berlichingen“) „lieber das Geheul der Totenglocke als von Läufern, Springern und anderen Bestien (sic!) das ewige Schach dem König hoeren wollen“. Nun, immerhin war Schach für ihn auch ein „Probierstein des Gehirns“.

Der „Hausherr“ der Ausstellung ist Dr. med. Jens-Frieder Mükke aus Naumburg, der auch einen Vortrag über die „Psychologie des Sammelns“ hält. Vermutlich wird er, der selbst 200 Schachspiele sein Eigen nennt, wertvolle Ratschläge für beziehungsweise gegen (wunderbare deutsche Sprache!) die Sucht des Sammelns geben.

Doch wie tappte er selbst in die Sammelfalle? Seine erste große Liebe hatte ihm von einer Reise ein Schachspiel aus Moskau mitgebracht. Dr. Mükke: „Die Liebe ist gegangen, das Schachspiel ist geblieben.“ Der Lauf der Welt – für einen Schachspieler.

Allerdings ist Dr. Mükke nicht nur ein glühender Schachsammler, sondern auch ein guter Schachspieler, der letztes Jahr sogar einen Großmeister besiegte. Auf ihn trifft wahrhaft das indische Sprichwort zu: „Das Schachspiel ist wie ein See, in dem ein(e) Mükke schwimmen und ein Elefant ertrinken kann.“ Ebenso wie sein Gegner im folgenden Beispiel, Dr. med. Helmut Jacob, landete er im Vorderfeld des Ärzteturniers.

Wie konnte Dr. Mükke als Weißer am Zug zwangsläufig die schwarze Dame erobern?

Lösung:
Die Läuferattacke 1. Lg5! zwang die schwarze Dame zum Bauernfraß 1. . . . Dxf5, wonach der zweite Läufer sie mit 2. Le4! noch weiter ins weiße Lager trieb: 2. . . . Dh3, unmittelbar und eigentlich bedrohlich beim nackten, weißen Monarchen. Doch nach 3. Te3! hatte ihr letztes Stündlein geschlagen, und nach 3. . . . Dxe3 4. Lxe3 war es bald aus.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema