ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Prostatakarzinom – KBV: Entscheidung zur Brachytherapie ist überfällig

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Prostatakarzinom – KBV: Entscheidung zur Brachytherapie ist überfällig

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LNSLNS Das Prostatakarzinom ist mit derzeit jährlich mehr als 58 000 Neuerkrankungen die häufigste bösartige Erkrankung des Mannes. Als Behandlungsmethode der ersten Wahl gilt bei einem lokal begrenzten Tumor die radikale Prostatektomie, in deren Folge allerdings bei einer Vielzahl von Patienten stark beeinträchtigende Komplikationen auftreten wie Harn- oder Stuhlinkontinenz und Impotenz.

Als Behandlungsoption für Patienten, für die eine Prostatektomie nicht infrage kommt, stehen mit der externen Strahlentherapie und der Brachytherapie zwei etablierte Methoden der zweiten Wahl zur Verfügung. Dabei wird die Brachytherapie seit Jahren im stationären Sektor als Leistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) abgerechnet (circa 1 500 Fälle/Jahr). Eine gleich große Anzahl von Brachytherapien wird derzeit ambulant erbracht, und zwar im Rahmen spezieller Verträge, die etliche Krankenkassen abgeschlossen haben.

Seit 2002 berät der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) über die Zulassung der Brachytherapie als vertragsärztliche Behandlungsmethode bei Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom (low risk carcinoma). In dieser Zeit wurden hierzu in Deutschland zwei umfassende systematische Auswertungen der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht: im Jahr 2005 ein HTA(Health Technology Assessment)-Bericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sowie 2007 ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Obwohl die wissenschaftliche Evidenz damit hinlänglich bekannt ist und seitdem keine wesentlichen neuen Ergebnisse hinzugekommen sind, hat der G-BA bisher keine Entscheidung getroffen.

Zwar kommt der IQWiG-Bericht zu dem Schluss, dass hierarchisierende Aussagen zum Nutzen der Brachytherapie gegenüber der radikalen Prostatektomie beziehungsweise einer externen Bestrahlung nicht möglich sind; allerdings räumt er mögliche Vorteile der Brachytherapie im Hinblick auf Komplikationen und Lebensqualität (keine Inkontinenz, erhaltene Potenz) ein.

Der eine umfangreichere Literatur auswertende HTA-Bericht von KBV und BÄK (DÄ, Heft 48/2005) kommt zu dem Schluss, dass externe Strahlentherapie oder Brachytherapie als Methoden der zweiten Wahl therapeutisch gleichwertig sind. Der Bericht spricht deshalb eine positive Empfehlung zur Brachytherapie bei eingegrenzter Indikation aus.

Angesichts dieser Erkenntnislage sowie der geringeren Nebenwirkungen der Brachytherapie ist es nach Auffassung der KBV nicht vertretbar, Patienten diese Therapieoption in der vertragsärztlichen Versorgung noch länger vorzuenthalten. „Zwar wäre eine Verbesserung der Studienlage durch aussagekräftige randomisierte kontrollierte Studien wünschenswert; die aus den Besonderheiten des Prostatakarzinoms resultierenden Probleme bei der Generierung derartiger Studien lassen einen solchen Erkenntnisgewinn jedoch auf absehbare Zeit nicht erwarten“, sagt KBV-Dezernatsleiter Dr. med. Paul Rheinberger. Deshalb setze sich die KBV im G-BA für eine Zulassung der Brachytherapie als vertragsärztliche Behandlungsoption ein. EB
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