ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Demografischer Wandel als Chance
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LNSLNS Seit einem Jahr ist die Leopoldina in Halle/Saale die „Nationale Akademie der Wissenschaften“ und durchaus stolz auf die Arbeit in ihrer neuen Funktion. „Unser größter Erfolg ist, dass wir keine Diskussionen im Elfenbeinturm führen, sondern als Stimme der Wissenschaft von Politik und Öffentlichkeit gefragt und gehört werden“, betonte Prof. Dr. med. Volker ter Meulen, Präsident der Leopoldina, anlässlich des Jahrestages.

Debattiert von Politik und Wirtschaft werden derzeit die Empfehlungen der Akademiengruppe „Altern in Deutschland“, in denen 23 Experten von der Leopoldina und der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften Acatech aus vorliegenden Forschungsergebnissen konkrete Empfehlungen ableiten. Ihr Fazit: Der demografische Wandel ist keine Bedrohung, sondern bietet viele Chancen, wenn die politischen Weichen richtig gestellt werden. Dazu müssten veraltete Vorstellungen und Vorurteile über die Leistungsfähigkeit und Potenziale älterer Menschen über Bord geworfen werden.

Potenziale systematisch erforschen
Die Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung sei nicht nur als Bedrohung der Sozialsysteme zu sehen, erklärte die Vizepräsidentin der Leopoldina, Prof. Dr. Ursula M. Staudinger. Vielmehr gehöre der Zugewinn an Lebensjahren zu den Potenzialen des Alters und des Alterns. „Eine Gesellschaft des längeren Lebens erfordert auch ein längeres Arbeits- und Bildungsleben. Arbeit und Lernen müssen zu einem kontinuierlichen Bestandteil eines erfüllten längeren Lebens werden“, forderte die Psychologin. Dies ist jedoch nach Meinung der Akademiengruppe unter den gegenwärtig herrschenden Arbeitsbedingungen nicht ausreichend möglich. Unternehmen und Politik forderte sie deshalb auf, die Dauer der Berufstätigkeit zu flexibilisieren. Zudem müssten die Unternehmen mehr in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Ergänzt werden müsste dies durch Möglichkeiten, rechtzeitig aus körperlich stark belastenden oder geistig erschöpfenden Tätigkeiten in andere umzusteigen.

Bisher gibt es in Deutschland noch kein interdisziplinär angelegtes Forschungsinstitut, das die Potenziale des Alters und Alterns systematisch erforscht. Dies wird von der Akademiengruppe bemängelt. „Die Komplexität der beteiligten Prozesse macht politische Entscheidungen nicht einfach. Altern ist ein Thema, das quer zu den ministeriellen Ressorts liegt. Es erfordert konzertierte Aktionen“, sagte Staudinger. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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