ArchivDeutsches Ärzteblatt24/20093 Fragen an … Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

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3 Fragen an … Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

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Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
In Nordrhein-Westfalen wurden kürzlich kassenübergreifend SAPV-Verträge abgeschlossen. Wird es jetzt zügig so weitergehen?

Carl-Heinz Müller: Nein. Den SAPV-Verträgen messen immer noch viele Kassen keine große Bedeutung bei. Und jeder Tag ohne Vertrag spart Geld. Dabei sind es die Krankenkassen den Versicherten und ihren Angehörigen schuldig, dass man schnellstmöglich Verträge schließt und Palliative Care Teams bildet. Gerade in ländlichen Gebieten wäre das wichtig. Dort ist das nächste Krankenhaus oft weit weg, und die ambulant tätigen Ärzte müssen große Gebiete betreuen.

Die Kassen befürworten einheitliche Verträge, verweisen aber auch darauf, dass sich in den Bundesländern unterschiedliche Strukturen gebildet haben. Manche wollen zudem mit ihrem eigenen SAPV-Ansatz punkten.

Müller: Es ist schon ärgerlich, dass hier etwas dem Wettbewerb unterstellt wird, was sich dafür nicht eignet. Man könnte regional einheitliche Verträge schließen, gleichzeitig aber Besonderheiten vor Ort berücksichtigen. Das gilt auch im Hinblick auf die Qualifikationen. In größeren Städten sind vielleicht schon genug palliativmedizinisch erfahrene Ärzte und Pflegekräfte vorhanden, aber nicht auf dem Land. Deshalb sind Übergangsregelungen zulässig, damit sich Teammitarbeiter noch qualifizieren können. Das Schlimmste wäre, wenn an einem Ort mehrere Palliative Care Teams bestehen, aber jedes mit anderen Kassen Verträge hat. Dann reicht die Finanzierung vielleicht keinem.

Einzelne Kassen fürchten wohl, künftig könnte eine Versorgung Schwerstkranker zu Hause zu schnell zur spezialisierten ambulanten Versorgung deklariert werden.

Müller: Wer einen Anspruch auf SAPV hat, ist definiert. Wenn Zweifel bestehen, kann die Kasse die Verordnung ja überprüfen. Richtig ist allerdings, dass auch die allgemeine palliativmedizinische Versorgung und deren Schnittstellen zur SAPV definiert werden müssten. Dafür setzen wir uns ein.
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