Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Neben den inhaltlichen Aussagen des Autors zum Thema finden sich zwei bemerkenswerte berufspolitisch relevante Themen in dem Artikel, die nicht „untergehen“ sollten: Herr Ullmann schreibt: „Die Urteilsbegründungen in verschiedenen Strafverfahren lassen oft suchtmedizinischen Sachverstand vermissen. In vielen Verfahren gegen substituierende Ärzte werden Rechtsmediziner als Gutachter bestellt. Diese können aber keine Erfahrung in der Substitutionsbehandlung haben.“ Wenn in dieser Argumentationsschiene der Spieß einmal umgedreht wird, müsste folgende Frage gestellt werden: Über 90 Prozent der substituierenden Ärzte sind Nichtpsychiater – dabei ist die Abhängigkeitserkrankung eine psychische Störung –, und finanziell geht es um viel Geld außerhalb des Budgets: Eine Substitutionsbehandlung kostet pro Jahr ca. 3 000 Euro, bei ca. 65 000 Substituierten pro Jahr kommen fast 20 Millionen Euro zusammen – hinzu kommen noch die Kosten für die hausärztliche Versorgung (meist durch die substituierenden Ärzte selbst) sowie für eventuell notwendig werdende weitere medizinische Maßnahmen. Was wäre, wenn hier gefordert würde „Schuster, bleib’ bei deinen Leisten“? Herr Ullmann fordert, die Mitgabe des Substitutionsmedikaments aus der Praxis zu erlauben, wie es dem internationalen Standard entspricht – dies „konnte aber politisch nicht durchgesetzt werden“ mit der 21. BtMÄndV. Was Herr Ullmann nicht sagt: Die Mitgabe eines Medikaments aus der Praxis fällt unter das Dispensionsrecht, das im Arzneimittelgesetz geregelt wird. Dieses Recht spielt eine gewichtige Rolle im Verhältnis der Berufsgruppen von Apothekern und von Ärzten: Den Ärzten ist das Behandlungsrecht vorbehalten, den Apothekern das Dispensionsrecht. Das heißt, hier wird eine grundlegende, berufspolitisch hochbedeutsame, allgemeine Regelung infrage gestellt für den Behandlungsvorteil einer sehr kleinen Patienten- bzw. Ärztegruppe. Wenn die Apotheker dem Dispensionsrecht für Ärzte zustimmen unter der Bedingung, dass auch Apotheker ein Behandlungsrecht erhalten . . .? . . .
Dipl. theol. Dr. med. Heinrich Elsner, c/o Methadonambulanz Bochum, Viktoriastraße 67, 44787 Bochum
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote