ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Arztbewertung im Internet: Gefragt, aber nicht ausgereift

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Arztbewertung im Internet: Gefragt, aber nicht ausgereift

Hillienhof, Arne

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www.medseiten.de; Portal der Fachhochschule Hannover, das sich mit Bewertungsportalen und anderen Gesundheitsangeboten im Internet befasst
www.medseiten.de; Portal der Fachhochschule Hannover, das sich mit Bewertungsportalen und anderen Gesundheitsangeboten im Internet befasst
Der Bedarf und das Interesse an Arztbewertungen im Internet sind groß.
Aber noch sind die Bewertungssystematiken nicht ausgereift, und die Zahl der Bewertungen ist oft zu klein, um Patienten echte Orientierung zu geben.

Webportale, in denen Patienten die wirklichen oder angeblichen Leistungen und Fehlleistungen von Ärzten bewerten, sind im Aufwind. Mehr als ein Dutzend dieser Portale konkurrieren im Netz um die Klicks der Nutzer. „Auch viele Ärzte (92 Prozent) sehen, dass Patienten immenses Interesse an Arztempfehlungen haben. Das hat bereits unsere Studie ,Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2007’ gezeigt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Gesundheit, Dr. Peter Müller, beim 3. trendforum Gesundheit Mitte Mai in Köln. Auf der Veranstaltung stellte er einen neuen Service der gemeinnützigen Stiftung für Ärzte vor: „Viele Betreiber von Bewertungsportalen informieren die Ärzte nicht über neue Eintragungen“, umriss Müller das Problem für die Ärzte. Daher überwachen Mitarbeiter der Stiftung die fünf führenden Arztbewertungsportale im Netz und informieren die Praxen auf Wunsch über neue Eintragungen. Bei Schmähungen erhalten die Ärzte Tipps zum möglichen Vorgehen, Rechtsquellen sowie Formschreiben und die Adressen und Ansprechpartner bei den beobachteten Bewertungsportalen.

Sehr unterschiedliche Fragenkataloge
Verschiedene Bewertungsportale und ihre Methodik analysiert hat Prof. Uwe Sander von der Fachhochschule Hannover. Zwei Grundprobleme sind: Wie kann ein medizinischer Laie die Arbeit eines Arztes angemessen beurteilen? Und wie können die Portale böswillige Falschmeldungen verhindern? Neben eigenen Untersuchungen verwies Sander in diesem Zusammenhang auf eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach unterscheiden sich die Fragenkataloge zur Bewertung eines Arztes von Portal zu Portal sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht erheblich. Ein Vergleich mit definierten Qualitätskriterien zeigte laut Sander, dass die Portale derzeit nur eingeschränkt in der Lage sind, Hilfestellung zur Identifikation einer guten Arztpraxis zu liefern. Für eine fundierte Entscheidungshilfe bedarf es weiterer Qualitätskriterien. Nach Meinung Sanders sollten die Portale mehr Fragen in Bezug auf die Praxen aufgreifen, zum Beispiel, ob die Patienten dort Hinweise auf weiterführende Informationen und Beratungsangebote erhalten. Auch nach dem problemlosen Zugriff auf die eigenen Unterlagen und dem Schutz der persönlichen Daten erkundige sich keines der Portale.

Chroniker vertrauen vor allem anderen Betroffenen
Trotz dieser methodischen Probleme liegt die Zukunft der Gesundheits- und Medizininformation klar im Internet. Diese Ansicht vertrat Alexander Schachinger von der Humboldt-Universität Berlin. Derzeit seien Zeitungen und Zeitschriften noch die Informationsquelle Nummer eins für die Patienten. Das Internet hole aber schnell auf und werde voraussichtlich ab Mitte 2010 Leitmedium sein. Während das Netz früher vor allem dem Download von Informationen diente, sei es heute besonders der Austausch mit anderen Patienten oder mit Experten in Foren, der das Internet interessant mache. „Chroniker vertrauen vor allem anderen Patienten“, erklärte Schachinger. Das gelte auch für die Arztbewertungen. Die Portale ständen daher erst am Anfang ihres Erfolgs.

Auch die Ärzteschaft steht den Portalen nicht grundsätzlich negativ gegenüber: „Ein Fünftel der Ärzte finden die Bewertungsportale gut, 60 Prozent sind indifferent, und ein weiteres Fünftel lehnt sie ab“, so die Erfahrung von Ingo Horak, Geschäftsführer des Bewertungsportals DocInsider GmbH.
Dr. med. Arne Hillienhof
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