ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Akute myeloische Leukämie: Als Überblick und Einstieg geeignet

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Akute myeloische Leukämie: Als Überblick und Einstieg geeignet

Ludwig, Wolf-Dieter

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Gerhard Ehninger, Hartmut Link, Wolfgang E. Berdel (Hrsg.): Akute myeloische Leukämie. Deutscher Ärzte- Verlag, Köln 2008, 280 Seiten, gebunden, 79,95 Euro
Gerhard Ehninger, Hartmut Link, Wolfgang E. Berdel (Hrsg.): Akute myeloische Leukämie. Deutscher Ärzte- Verlag, Köln 2008, 280 Seiten, gebunden, 79,95 Euro
Leukämien („Weißblütigkeit“), erstmals 1845 von Rudolf Virchow und John Hughes Bennett anlässlich der Autopsie von zwei Patienten mit den für Leukämien typischen Merkmalen (Veränderungen der Farbe beziehungsweise Konsistenz des Blutes und vergrößerte Milz) beschrieben, gelten heute als Paradigma für Tumorerkrankungen, deren Prognose durch ein besseres Verständnis der Pathogenese, Fortschritte in der Diagnostik und neue, zum Teil risikoadaptierte Therapiestrategien verbessert werden konnte. Akute myeloische Leukämien (AML), deren morphologische und genetische Heterogenität in den letzten 40 Jahren eindrucksvoll nachgewiesen werden konnte, werden aufgrund ihrer Seltenheit in den letzten Jahrzehnten vorwiegend im Rahmen sogenannter multizentrischer, nicht kommerzieller Therapieoptimierungsstudien behandelt, um neue diagnostische Methoden (zum Beispiel Zyto- und Molekulargenetik) sowie Wirksamkeit und Sicherheit etablierter Therapieprotokolle beziehungsweise neuer Wirkstoffe unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen.

Ehninger, Link und Berdel haben in Zusammenarbeit mit weiteren 32 Autoren, vorwiegend aus dem Bereich der Hämatologie und Internistischen Onkologie, einen aktuellen Überblick über diese hämatologische Neoplasie vorgelegt. Im Mittelpunkt des Buches stehen zwei Kapitel, die das aktuelle Wissen und neue Forschungsergebnisse auf den Gebieten der Diagnostik und Therapie der AML zusammenfassen. Insbesondere die Abschnitte zur zyto- und molekulargenetischen Diagnostik, aber auch viele Abschnitte zur Therapie (zum Beispiel Therapie mit neuen Substanzen, Stammzelltransplantation, akute Promyelozytenleukämie, Therapiebesonderheiten bei Kindern und Jugendlichen) vermitteln einen sehr informativen Einblick in die während der letzten 20 bis 30 Jahre erreichten Fortschritte, diskutieren aber auch offene Fragen, wie zum Beispiel den Stellenwert neuer Wirkstoffe mit molekularen Zielstrukturen. Die für den klinischen Alltag häufig entscheidenden Themen, wie individuelle Therapieentscheidungen anhand patienten- beziehungsweise krankheitsbezogener Prognosefaktoren, Therapie der AML in höherem Lebensalter, Stammzelltransplantation und palliativmedizinische Betreuung, werden ausführlich und gut verständlich dargestellt. Andere Gebiete, wie zum Beispiel Epidemiologie, Ätiologie, Pathogenese, Prävention und Nachsorge, werden demgegenüber in den weiteren Kapiteln nur kurz abgehandelt. Abschließend findet man Hinweise auf derzeit im Rahmen der Induktions- und Konsolidationstherapie eingesetzte Chemotherapieprotokolle und einige der in Deutschland aktivierten Therapiestudien zur chemotherapeutischen Behandlung beziehungsweise allogenen oder autologen Stammzelltransplantation bei erwachsenen Patienten mit AML.

In einem Buch mit 35 Autoren ist es unvermeidbar, dass sich die Qualität der zehn Kapitel unterscheidet. Das Buch ist insbesondere für Ärzte, die sich einen aktuellen Überblick über die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie der AML verschaffen wollen, und als Einstieg für junge Ärzte am Beginn ihrer Tätigkeit in der Hämatologie sehr gut geeignet. Es kann (und soll) sicherlich nicht die hervorragenden Atlanten der klinischen Hämatologie ersetzen. Kritische Leser werden evidenzbasierte Empfehlungen zum Einsatz der genannten neuen Wirkstoffe, insbesondere auch im Rahmen der bei AML so wichtigen Supportivtherapie, vermissen. Ein Fazit beziehungsweise eine Zusammenfassung – nur in einigen Abschnitten des Buches vorhanden – hätte sich der Leser am Ende aller Kapitel gewünscht.

Zusammenfassend ist das von den Herausgebern in Kooperation mit der Studien-Allianz Leukämien (SAL) vorgelegte Buch als durchaus gelungen zu bezeichnen. Es wird seiner Intention, Kenntnisse für die diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen zu vermitteln, in den meisten Kapiteln gerecht.
Wolf-Dieter Ludwig
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