ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Carl Djerassi: Schmuggler der Wissenschaft

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Carl Djerassi: Schmuggler der Wissenschaft

Dtsch Arztebl 2009; 106(24): A-1255 / B-1069 / C-1041

Schmitt-Sausen, Nora

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Carl Djerassi Foto: dpa
Carl Djerassi Foto: dpa
In der Wissenschaft ist wenig Platz für Experimente. Das klingt paradox. Doch mit Blick auf die meist sehr geradlinigen Lebensläufe muss man feststellen: Wer die Forscherkarriere einschlägt, der weicht davon nicht mehr ab.

Aber es gibt bekanntlich immer Ausnahmen von der Regel. Eine trägt den Namen Prof. Dr. Carl Djerassi. Der Chemiker, einer der Großen seines Fachs, ist Vater der Antibabypille, lehrt seit fast 50 Jahren an der renommierten Stanford University in den USA und hat mehr als 1 000 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.

Doch der gebürtige Wiener kann auch noch etwas ganz anderes: Er ist Roman- und Theaterstückschreiber und hat mit Science-in-Fiction eine neue literarische Gattung kreiert. Zwar befasst sich Djerassi auch dabei mit der Welt der Wissenschaft, doch geht es um menschliche Komponenten: um Psychologie, Sex, Ethik und Eitelkeiten. Auch als Literat findet Djerassi weltweit Beachtung: Seine Werke sind in viele Sprachen übersetzt und werden auf großen Bühnen gespielt. Gerade hat ihm die Fakultät Kulturwissenschaften der Technischen Universität Dortmund die Ehrendoktorwürde verliehen.

Er sehe sich als Mittler zwischen Wissenschaft und Kunst, sagte Djerassi kürzlich in Berlin bei einem Gesprächsabend in der Heinrich-Böll-Stiftung. Etwas provokant und nicht ohne Stolz bezeichnete sich der dynamische 85-Jährige als „Schmuggler der Wissenschaft“. Und bedauerte, dass er ein spezieller Fall ist: „Ich konnte mir das nur leisten, weil ich alt und erfolgreich war.“ Hätte er früher zur literarischen Feder gegriffen, wäre dies „Selbstmord“ gewesen, glaubt Djerassi. Für die meisten Kollegen stelle sich die Entweder-oder-Frage. Schade eigentlich. Nora Schmitt-Sausen
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