ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2009Börsebius: Von wegen risikoarm
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LNSLNS Wer Geldmarktfonds kauft, hat vor allem eines im Sinn: möglichst risikoarm zu disponieren, und das bei täglicher Verfügbarkeit der Anlagesumme für alle möglichen Wechselfälle des Alltags. Mit diesem Credo warben die Banken schon seit Jahren, und die Kunden folgten der Botschaft bereitwillig, indem sie Milliarden Euro nur allzu gerne investierten – gute Rendite und notfalls schnell wieder an die Kohle kommen, das passte schon sehr zusammen.

Dieser Anlagegrundsatz droht nun allerdings einige arg hässliche Kratzer zu erleiden, denn die Finanzmarktkrise hat auch bei diesem, eigentlich vom Ansatz her recht risikoarmen Produkt ziemlich üble Auswirkungen hinterlassen.

Kaum zu glauben, aber einige Geldmarktfonds haben in der jüngsten Vergangenheit ganz locker zweistellige Verluste erwirtschaftet. Unter den rabenschwarzen Adressen sind durchaus keine No-Names zu finden, sondern auch eigentlich respektable Häuser.

Der geldmarktnahe Fonds „Deka-EuroFlexPlus“ des Sparkassendienstleisters DekaBank brachte es in den vergangenen zwölf Monaten auf ein Minus von horriblen knapp 40 Prozent. Kaum besser lief es mit einem Minus von 36 Prozent für den unaussprechlichen „UniMoney-Market: Euro Corporates“ aus dem Volksbankensegment Union Investment. Besonders pikant präsentierte sich der „Pioneer Investments OptiCash A“ der Unicredit-Tochter Pioneer, der vor allem mit dem Hinweis auf prima Steuervorteile vermarktet wurde. Mit einem Verlust von gut einem Viertel sind im Ergebnis fiskalische Argumente glatt und sauber auf Grund gelaufen.

Kein Wunder, dass viele Anleger solchen Fonds in Scharen davonlaufen und somit natürlich einen Teufelskreis in Gang setzten, weil das Management auf Gedeih und Verderb Titel verscherbeln muss. Der vorgenannte OptiCash etwa schrumpfte binnen Jahresfrist von knapp 600 Millionen US-Dollar auf nur noch etwas über 100 Millionen US-Dollar.

Was ist da eigentlich schiefgelaufen? Vor allem der hohe Anteil an Verbriefungen und kurz laufenden Unternehmensbonds und natürlich auch die mittlerweile berüchtigten toxischen Papiere, wie etwa Asset Backed Securities, (ABS) haben den Fonds die Ernte verhagelt, aber auch teilweise hochspekulative Absicherungsinstrumente. Kaum jemand schaute denn auch in die Anlageschwerpunkte des Fondsprospekts, und es kümmerte eh die wenigsten, was selbst Geldmarktfonds alles an riskanten Geschäften abschließen durften.

Mit alledem soll jetzt aber Schluss sein, verlangt eine hochkarätige EU-Kommission (Larosière-Expertengruppe), es müssten mehr Transparenz her und erst recht strengere Vorgaben, in welche (sicheren) Assets Geldmarktfonds investieren dürfen. Das ist lobenswert. Der Scherbenhaufen bleibt jedoch.
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