ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2009AOK-Bundesverband: Geplantes Ärzte-Ranking im Internet stößt auf Kritik

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AOK-Bundesverband: Geplantes Ärzte-Ranking im Internet stößt auf Kritik

ddp; afp

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Bezeichnete das AOK-Projekt als unseriös: der Präsident der Bundesärztekammer Jörg- Dietrich Hoppe. Foto: Georg Lopata
Bezeichnete das AOK-Projekt als unseriös: der Präsident der Bundes­ärzte­kammer Jörg- Dietrich Hoppe. Foto: Georg Lopata
Die von den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) geplante öffentliche Bewertung von Ärzten im Internet ist von anderen Kassen mit Interesse aufgenommen worden. Von der Ärzteschaft kommt hingegen Protest.

Der AOK-Bundesverband hatte angekündigt, dass die 24 Millionen AOK-Versicherten ab 2010 die Möglichkeit erhalten sollen, Leistung und Service der niedergelassenen Ärzte im Internet zu benoten.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, kritisierte das AOK-Projekt. „Es ist unseriös, anonyme Fragebogen als Grundlage für Rankings zu nutzen“, sagte Hoppe. Wenn die AOK tatsächlich mit einer eigenen Plattform diesen Weg beschreiten sollte, erweist sie den berechtigten Ansprüchen ihrer Mitglieder auf qualitätsgesicherte Information einen Bärendienst, betonte Hoppe. Im Gegensatz zu professionellen Qualitätssicherungsverfahren hat der im Internet anonym bewertete Arzt keine Möglichkeit, auf unberechtigte Kritik zu reagieren und Missverständnisse auszuräumen.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Roland Stahl, sprach von einem „digitalen Ärztepranger“. „Der Vorstandschef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Jürgen Fedderwitz, gab zu bedenken, dass solche Bewertungsportale erfahrungsgemäß extrem missbrauchsanfällig seien. „Da muss die AOK aufpassen, dass sie kein populistisches System mit Hitparadencharakter aufbaut“, sagte Fedderwitz. Über gute Medizin könne man nicht abstimmen wie bei „Deutschland sucht den Superstar“.

Die Barmer Ersatzkasse steht diesem Instrument durchaus offen gegenüber. „Nur wenn Ärzte und Wissenschaftler einen Kriterienkatalog entwerfen, kann das ein sinnvolles Instrument sein“, stellte aber eine Barmer-Sprecherin klar. Auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel (SPD), begrüßte den Vorstoß. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte, die AOK müsse verhindern, dass Patienten „böswillige oder möglicherweise manipulierte“ Bewertungen eintragen. Es bestehe die Gefahr von Kampagnen, mit denen Ärzte „hoch oder runter bewertet“ werden könnten. ddp/afp
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