ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2009Meldepflicht für MRSA-Infektionen
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LNSLNS In Deutschland wird mit dem Stichtag 1. Juli 2009 eine Meldepflicht für Methicillin-resistente Stämme von Staphylococcus aureus (MRSA) eingeführt. „Damit die Gesundheitsämter frühzeitig über besonders schwere Fälle von MRSA-Infektionen informiert werden und so schneller notwendige Maßnahmen ergreifen können, ist in Zukunft jeder Nachweis des Krankheitserregers MRSA aus Blut oder Hirnflüssigkeit von den Untersuchungslaboratorien an die zuständigen Gesundheitsämter zu melden“, teilt das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit. Eine entsprechende Verordnung, mit der die Labormeldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz ausgedehnt werde, trete nun in Kraft.

Die Einführung der Meldepflicht für MRSA ist eine von mehr als 40 Aktionen der Deutschen Antibiotikaresistenzstrategie (DART) im Gesundheitssektor, die in mehreren Stufen umgesetzt wird. Ziel ist es, die Entstehung und Ausbreitung von antimikrobiell-resistenten Erregern einzudämmen.

In Deutschland treten jährlich circa 400 000 bis 600 000 nosokomiale Infektionen auf, Schätzungen zufolge sterben jährlich 10 000 bis 15 000 Patienten an den Folgen (Zahlen für 2006; Quelle: DMW 2008; 133: 1111–5). Die Zahl der Patienten mit MRSA-Infektion im Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung beträgt circa 14.000.

Unterschiedliche Zahlen in Europa
Grundlage dieser Schätzung ist das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (MRSA-KISS), dem für eine Auswertung des Jahres 2006 die Daten von 133 deutschen Krankenhäusern zur Verfügung standen. Der Anteil der MRSA an Isolaten invasiver Staphylococcus-aureus-Stämme an Krankenhäusern wird in Deutschland auf durchschnittlich 21 Prozent geschätzt, in den Niederlanden zum Beispiel beträgt dieser Anteil nur etwa zwei Prozent, in Großbritannien und einigen südeuropäischen Ländern wird er auf bis zu 50 Prozent geschätzt. Nosokomiale MRSA-Infektionen erhöhen das Mortalitätsrisiko während eines Klinikaufenthalts etwa um den Faktor 2,7, wie kürzlich beim Europäischen Infektiologenkongress ECCMID in Helsinki aus einer Studie der Universitätskliniken Köln und Freiburg berichtet wurde ( Abstrakt O179, S. Rieg et al). Werden nicht nur die nosokomialen, sondern auch die ambulant und in Alten- und Pflegeheimen erworbenen MRSA-Infektionen berücksichtigt, sind jährlich circa 42.000 Menschen betroffen. Eine Quelle für die Infektionen sind auch Nutztiere. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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