ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2009Jean Dausset †: Entdecker des HLA-Systems gestorben

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Jean Dausset †: Entdecker des HLA-Systems gestorben

Siegmund-Schultze, Nicola

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Jean Dausset Foto: dpa
Jean Dausset Foto: dpa
Immunzellen attackieren Krankheitserreger oder transplantiertes Gewebe, weil sie die Zellen als körperfremd erkennen; sie zerstören Tumoren, weil sie diese von unveränderten, körpereigenen Strukturen unterscheiden können. HLA-Antigene (humane Leukozyten-Antigene) sind die individuellen, molekularen „Signalfähnchen“, die dem Immunsystem für den „Identitätscheck“ dienen und eine Abstimmung der Immunreaktionen ermöglichen.

Der französische Arzt und Wissenschaftler Prof. Dr. Jean B. Dausset hat als erster Wissenschaftler die HLA-Antigene des Menschen beschrieben. Das war Ende der Fünfzigerjahre. 1980 hat er dafür den Medizin-Nobelpreis erhalten, gemeinsam mit Baruj Benacerraf und George D. Snell aus den USA, die sich mit der Regulation der Immunantwort durch die genetisch festgelegten HLA-Antigene beschäftigt hatten.

Die Kenntnis der HLA-Merkmale ist Voraussetzung für die Gewebetypisierung von Gewebe- und Organspendern und -empfängern. Dausset hatte bei Empfängern von Fremdblut nachgewiesen, dass diese Antikörper gegen HLA-Antigene auf Leukozyten der Spender bildeten. Er konnte auch belegen, dass die HLA-Merkmale zu einem einzigen genetischen System gehören, dem Histokompatibilitätskomplex (MHC). Beim Menschen ist der MHC lokalisiert auf Chromosom 6.

Dausset wurde im Oktober 1916 in Toulouse, Frankreich, geboren. Er studierte Medizin und beschäftigte sich seit seiner Promotion mit Transfusionsmedizin. Vor Kurzem ist er in Palma de Mallorca gestorben. Nicola Siegmund-Schultze
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