ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2009Myokardiale Ischämie: Mehr Sauerstoff für den Herzmuskel

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Myokardiale Ischämie: Mehr Sauerstoff für den Herzmuskel

Nickolaus, Barbara

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LNSLNS Ranolazin bietet ein neues Wirkprinzip zur Behandlung der koronaren Ischämie für Patienten mit unvollständig kontrollierter Erkrankung.

D ie Angina pectoris ist gekennzeichnet durch ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf im Herzmuskel. Infolge der Überladung der Zelle mit Natrium und Kalzium kommt es zu einer Reduktion der Kontraktilität des Herzmuskels. Ranolazin (Ranexa®) greift direkt in diese Abläufe ein und verbessert die Sauerstoffversorgung des Myokards. Anders als andere antianginöse Therapeutika wirkt Ranolazin direkt auf den Prozess der Ischämieentstehung durch effektive Hemmung des späten Natriumeinstroms (INa-late).

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) bezeichnete Ranolazin als Innovation im Arzneimittelbereich, von der viele ältere Patienten profitieren, die bei Herzinsuffizienz und/ oder Ischämie-induzierten Herzrhythmusstörungen unter Angina pectoris leiden und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind. Einige von ihnen blieben trotz Therapie mit Nitraten, Betablockern oder Kalziumkanalblo- ckern symptomatisch und könnten nicht interventionell behandelt werden.

Ranolazin ist indiziert bei stabiler Angina pectoris, bei der durch herkömmliche Therapie allein das Beschwerdebild nicht ausreichend gemindert wird, und als First-line-Therapie, wenn die antianginöse Medikation nicht vertragen wird. Zahlreiche Studien weisen die antianginöse und antiischämische Wirkung nach; die Dosisfindungsstudie MARISA1 sowie die doppelblinde placebokontrollierte CARISA-Studie2, die Ranolazin ergänzend zur täglichen Standardtherapie mit Atenolol 50 mg, Amlodipin 5 mg oder Diltiazem 180 mg überprüfte. Hier erhielten die Patienten zweimal täglich 750 mg Ranolazin versus Placebo über zwölf Wochen. Die mittlere Anzahl der wöchentlichen Angina-pectoris-Attacken verringerte sich signifikant um 24 Prozent. Es kam zu einer Halbierung des Nitratbedarfs pro Woche im Vergleich zum Ausgangswert.

In der ERICA-Studie3 erhielten 560 Patienten sechs Wochen lang zusätzlich zur Basistherapie mit 10 mg Amlodipin entweder Ranolazin oder Placebo. Auch hier sanken die Attackenhäufigkeit und der Verbrauch an Nitroglyzerin.

Bei der den Langzeiteffekt an 6.560 Patienten prüfenden MERLIN-TIMI-36-Studie4 wurden Patienten mit akutem Koronarsyndrom, instabiler Angina pectoris oder Nicht-ST-Hebungsinfarkt eingeschlossen. Zum Einsatz kam Ranolazin initial 2 000 mg i.v., danach 80 mg/h i.v. über zwölf bis 96 Stunden oder Placebo. Zwar traten innerhalb von 348 Tagen weniger Angina-pectoris-Anfälle auf, aber Ranolazin konnte weder die allgemeine Sterblichkeit noch das Risiko des plötzlichen Herztods oder die Arrhythmiehäufigkeit reduzieren.

Häufigste Nebenwirkungen der Therapie waren Schwindel, Kopfschmerzen, Obstipation, Erbrechen und Übelkeit sowie Asthenie. Dabei waren ältere Menschen und nierenkranke Patienten häufiger betroffen. Der Wirkstoff hat ein hohes Wechselwirkungspotenzial. Da Ranolazin im Darm und über die Leber (CYP3A4) verstoffwechselt wird, sollte es nicht mit starken CYP3A4-Inhibitoren (zum Beispiel Itraconazol, HIV-Proteasehemmern) kombiniert werden.

Kontraindiziert ist auch die Kombination mit Antiarrhythmika der Klasse Ia (zum Beispiel Chinidin) oder Klasse III (beispielsweise Dofetilid, Sotalol) mit Ausnahme von Amiodaron. Vorsicht sollte bei der Kombination mit mittelstarken CYP3A4-Inhibitoren und Inhibitoren des P-Glykoproteins herrschen. Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen, geringem Gewicht (unter 60 Kilogramm), Herzinsuffizienz NYHA-Klasse III bis IV bedürfen der sorgfältigen Kontrolle.
Dr. phil. Barbara Nickolaus

1 MARISA = Monotherapy Assessment of Ranolazine in Stable Angina
2 CARISA = Combination Assessment of Ranolazine in Stable Angina
3 ERICA = Efficacy of Ranolazine in Chronic Angina
4 MERLIN TIMI-36 = Metabolic Efficiency with Ranolazine for Less Ischemia in Non-ST Elevation Acute Coronary Syndromes

Pressekonferenz „Ranexa®-InnO2vation in der Therapie der stabilen Angina pectoris“ in Berlin, Veranstalter: Berlin-Chemie AG
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