ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2009Das Einkommen der Ärzte: Was letztlich übrig bleibt

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Das Einkommen der Ärzte: Was letztlich übrig bleibt

Vetter, Michael

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LNSLNS Die Einkommenssituation der Vertragsärzte ist differenzierter zu betrachten, als es die Berichterstattung in den Medien vermuten lässt.

Der Bewertungsausschuss, besetzt mit Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Krankenkassen, legt dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium jährlich einen Bericht über die Entwicklung der Vergütungs- und Leistungsstruktur in der vertragsärztlichen Versorgung des Vorjahres vor. Auf Basis dieser Daten sowie weiterer KBV-Daten lassen sich Aussagen zur durchschnittlichen Honorarsituation der Vertragsärzte treffen.

Demnach lag der durchschnittliche Umsatz je Arzt in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) im Jahr 2007 bei 206 247 Euro. Dabei gab es kaum Unterschiede im Vergleich der neuen Bundesländer (207 568 Euro) zu den alten Bundesländern (206 026). Die Differenzen der GKV-Umsätze nach Arztgruppen waren jedoch beträchtlich: Während Radiologen im Schnitt 402 204 Euro und fachärztliche Internisten 396 509 Euro einnahmen, lagen die GKV-Umsätze der Allgemeinärzte mit 180 582 Euro unter der „magischen“ Grenze von 200 000 Euro. Letzteres gilt auch für Psychiater mit durchschnittlich 132 614 Euro. Hausärzte kamen im Jahr 2007 auf einen durchschnittlichen GKV-Umsatz von 184 821 Euro, wohingegen Fachärzte 225 153 Euro aus der GKV einnahmen.

Neben den GKV-Umsätzen erzielen Verträgsärzte Einnahmen aus privatärztlicher Tätigkeit, die allerdings relativ schwer zu quantifizieren sind. Aus den Gesamtausgaben der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen für ärztliche Behandlungen im Jahr 2007 (rund 4,6 Milliarden Euro) lassen sich durchschnittliche Ausgaben der Privatassekuranz in Höhe von rund 33 000 Euro je niedergelassenen Arzt herleiten. Diese verteilen sich allerdings nicht gleichmäßig auf die Praxen. Vor allem gibt es in den neuen Bundesländern erheblich weniger Privatpatienten als in den alten.

Um belastbare Aussagen über die Einkommenssituation der Vertragsärzte treffen zu können, müssen den Einnahmen die Praxiskosten gegenübergestellt werden. Relevante Angaben dazu werden regelmäßig vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland in den „Kostenstrukturerhebungen“ ermittelt. Dabei werden durch Zufallsstichproben ausgewählte Vertragsärzte nach ihren Einnahmen und Betriebsausgaben befragt. Stellt man nun die vom Zentralinstitut ermittelten durchschnittlichen Anteile der Betriebsausgaben an den Praxisumsätzen den durchschnittlichen GKV-Umsätzen der KBV-Statistik gegenüber, so können die durchschnittlichen Praxisüberschüsse je Arzt aus den Umsätzen mit der GKV vermittelt werden – also ohne Privateinnahmen, aber auch ohne die Aufwendungen der Ärzte für ihre Altersvorsorge.

Der durchschnittliche GKV-Überschuss, definiert als GKV-Einkommen vor Steuern, lag demnach im Jahr 2007 bei 91 780 Euro je Arzt. Jedoch gibt es regional deutliche Unterschiede. So ist die finanzielle Situation in Berlin, vor allem wegen der dort hohen Versorgungsdichte, am ungünstigsten. Der durchschnittliche GKV-Honorarjahresumsatz je Arzt lag im Jahr 2007 in Berlin bei 162 941 Euro, das GKV-Jahreseinkommen bei gerade einmal 72 509 Euro. In Nord-Württemberg war die Situation nach dieser Erhebung im Jahr 2007 am günstigsten: Der GKV-Honorarumsatz je Arzt lag bei 238 563 Euro, das GKV-Einkommen betrug 106 161 Euro.

Um das so ermittelte Durchschnittseinkommen der Vertragsärzte im Jahr 2007 einordnen zu können, bietet sich ein Vergleich der mit den durchschnittlichen Einkommen anderer Freiberufler an. Hierzu führt das Statistische Bundesamt auf Grundlage der Einkommensteuerstatistiken Auswertungen durch, die die Ärzte in der Spitzengruppe ausweisen. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2004 erzielen nur Zahnärzte mit 116 749 Euro und Lotsen mit 104 422 Euro höhere durchschnittliche Einkünfte als Ärzte mit 100 401 Euro. Es folgen unmittelbar Steuerberater mit 68 849 Euro, noch vor Rechtsanwälten und Notaren mit 58 770 Euro.

Auch im Vergleich zu einem vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer, der im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich im Jahr 2007 durchschnittlich rund 36 600 Euro verdiente, kann sich – zumindest bei dieser Betrachtung – das ärztliche Einkommen durchaus sehen lassen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass Ärztinnen und Ärzte nicht nur eine sehr lange und inhaltlich anspruchsvolle Aus- und Weiterbildungszeit zu absolvieren haben, sondern eben auch einen extrem verantwortungsvollen Beruf ausüben. Auch der zeitliche Aufwand der jeweiligen Berufsausübung ist äußerst unterschiedlich. Daneben ist zu beachten, dass hohe Aufwendungen zur berufsständischen Altersvorsorge sowie zur privaten Kran­ken­ver­siche­rung das Nettoeinkommen der Ärzte deutlich verringern. Regelmäßig erforderliche Investitionen in die jeweilige Praxisausstattung binden zudem erhebliches Kapital, das oftmals mit an der jeweiligen Bonität des Heilberuflers orientierten mehr oder weniger hohen Kreditkosten finanziert werden muss.
Michael Vetter

Mehr Information im Internet unter: www.aerzteblatt.de/0925
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