ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2009Praxisführung Wie die Loyalität des Teams gesteigert werden kann

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Praxisführung Wie die Loyalität des Teams gesteigert werden kann

Dtsch Arztebl 2009; 106(25): A-1327 / B-1131 / C-1103

Kutscher, Patric P.

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Foto: Klaus Rose
Foto: Klaus Rose
Die medizinischen Geräte einer Arztpraxis werden regelmäßig gewartet.
Die so wichtige Beziehung zu den Medizinischen Fachangestellten rückt hingegen nur selten in den Fokus der ärztlichen Aufmerksamkeit.

Eine Binsenweisheit: Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die ihre Ziele verwirklichen wollen, benötigen engagierte Mitarbeiterinnen, die auch in schwierigsten Zeiten loyal zu ihnen stehen. Jedoch unterschätzen viele Praxisinhaber die Bedeutung der Mitarbeiterloyalität und tun zu wenig dafür, um ihre Medizinischen Fachangestellten langfristig an die Praxis zu binden. Später wundern sie sich dann über die hohe Fluktuation des Personals. Während die medizinischen Geräte einer Arztpraxis regelmäßig gewartet werden, rückt die Beziehung zu den Mitarbeiterinnen nur selten in den Fokus der Aufmerksamkeit. Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass diese „funktionieren“ – schließlich werden sie dafür bezahlt . . .

Eine Studie der Achieve-Global GmbH, einem der weltgrößten Dienstleister für Mitarbeitertraining, Personal- und Unternehmensentwicklung, bietet Anlass, das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Mitarbeiterloyalität zu schärfen. Die Studie, bei der es 2007/2008 um die Beantwortung der Frage ging, warum Arbeitnehmer ihre Stelle wechseln und welche Auswirkungen dies für das Unternehmen hat, weist als wichtigste Einflussfaktoren für den Arbeitsplatzwechsel aus:
- unzureichende Vergütung und Sozialleistungen
- mangelnde Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten und
- unbefriedigende Würdigung der Mitarbeiterleistungen und fehlender Respekt durch Vorgesetzte.
Die Ergebnisse der Untersuchung lassen sich auf Arztpraxen übertragen. Auch dort sind die Folgen hoher Mitarbeiterfluktuation fatal: Die leistungsstarken Mitarbeiterinnen entwickeln keine stabile Bindung und gehen auf die Suche nach einem attraktiveren Arbeitgeber. Die anderen Angestellten tragen durch wenig überzeugende Arbeitsergebnisse wenig zum Erreichen der Praxisziele bei. Und wenn Mitarbeiterinnen beobachten müssen, dass schon wieder eine Kollegin gekündigt hat, verschlechtert dies das Betriebsklima. Missstimmung und Unsicherheit sind unausweichlich, die Gerüchteküche brodelt, ein Teamgeist kann nicht entstehen.

Die Autoren der Studie beschreiben Bereiche, die durch die mangelnde Mitarbeiterloyalität in Mitleidenschaft gezogen werden: die Gemeinschaftsbeziehungen, der Wissenstransfer, die Beziehungen unter den Mitarbeitern, die Qualität der Dienstleistungen und das Finanzergebnis. Dr. med. Martin Herkenhoff, Kinderarzt im bayerischen Germering, merkt dazu an: „Gerade in einer Arztpraxis besteht die Gefahr, dass auch die Patientenbeziehungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir wollen ein Vertrauensverhältnis aufbauen, wenn der Patient aber ständig mit anderen Ansprechpartnern und demotivierten Mitarbeiterinnen zu tun hat, weil die Personalfluktuation hoch ist, kann dies kaum gelingen.“ Praxen, die ihre Zukunftschancen nutzen wollen, seien auf eine innovative und zukunftsorientierte Personalpolitik angewiesen.

Es gibt viele Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeiterloyalität. Prinzipiell sind dazu alle Aktivitäten zur Qualitätssteigerung der Mitarbeiterführung geeignet. Die Studienergebnisse von Achieve-Global zeigen auf, an welchen Stellschrauben zuallererst gedreht werden müsste, um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen: wettbewerbsfähiges Gehalts-, Sozialleistungs- und Anreizpaket offerieren, Mitarbeiteranerkennung und Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung anbieten.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass auch der materielle Aspekt einen Baustein in der Loyalitätsfrage darstellt. Natürlich ist der Arzt an gesetzliche und tarifliche Vorgaben gebunden. Aber er sollte zumindest prüfen, ob es nicht auch noch andere Möglichkeiten der materiellen Belohnung gibt. Fest steht: Das schönste anerkennende Schulterklopfen nutzt nichts, wenn die Mitarbeiterin ihre materiellen Erwartungen nicht erfüllt sieht. Umgekehrt gilt: Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten.

Ein Maßnahmenbündel, das alle „Loyalitätsbereiche“ umfasst, könnte so ausschauen:
- Vergütung, Leistungsfähigkeit und Talent der Mitarbeiterin werden in ein ausgewogenes Verhältnis gesetzt. Das Prinzip lautet: die richtige Mitarbeiterin am richtigen Arbeitsplatz.
- Durch begründetes Lob und Maßnahmen, die seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen, zeigt der Arzt der Mitarbeiterin, dass er ihre nicht selbstverständlichen individuellen Leistungen anerkennt.
- Vor allem Leistungsträgerinnen wollen noch besser werden. Für sie können Schulungsprogramme aufgelegt werden, die ihnen die zielgerichtete berufliche und persönliche Weiterentwicklung ermöglichen.
Die Studie zeigt die Notwendigkeit, bei der Personalentwicklung strategisch zu handeln. Nur so kann eine Praxis den „War for Talents“ gewinnen, der in den nächsten Jahren allein wegen des demografischen Wandels an Schärfe zunehmen wird. Es ist zu erwarten, dass auch Ärztinnen und Ärzte verstärkt um „die besten Köpfe“ kämpfen müssen. Allerdings – so Kinderarzt Herkenhoff – wäre es ein Fehler, nun allein die Loyalität der Leistungsträgerinnen anzustreben. Besser sei es, die Maßnahmen der Personalentwicklung und -auswahl differenziert auszugestalten: Der Arzt ergreift auch Maßnahmen, um bei eher durchschnittlichen Mitarbeiterinnen gezielt Stärken auszubauen.
Patric P. Kutscher
E-Mail: p.kutscher@rhetorikundstimme.de
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