ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2009Ergebnisse mütterlicher BRCA-Tests kein Tabu für Kinder

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Ergebnisse mütterlicher BRCA-Tests kein Tabu für Kinder

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS In Familien mit hereditärem Brustkrebs sind Tests auf Mutationen in den Genen BRCA1 und -2 eine wichtige Grundlage für die Vorsorge. Für Kinder oder Jugendliche werden BRCA-Tests allerdings nicht empfohlen, weil das Ergebnis für diese Altersgruppe keine therapeutische Konsequenz hat. Mütter zögern häufig, mit ihren Kindern über das Ergebnis ihres eigenen BRCA-Tests zu sprechen. Vor allem bei einem Nachweis veränderter BRCA1- oder -2-Gene, fürchten Mütter, das Offenlegen des positiven Befunds könnte die Familie und damit auch sie selbst zusätzlich belasten.

Diese Befürchtung ist offenbar unberechtigt, wie Prof. Kenneth Tercyak (Lombardi Comprehensive Cancer Center, Washington, USA) bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Orlando über eine eigene Untersuchung von betroffenen Familien mit Kindern im Alter von acht bis 21 Jahren berichtet hat (Abstract 9582, www.asco.org). Tercyak und sein Team befragten 221 Mütter und 124 „zweite Elternteile“, meist Väter, in standardisierten Interviews dazu, wie sie gegenüber ihren Kindern mit den Informationen über den BRCA-Status umgingen.

Wenn über das Testergebnis geredet wird, dann meist kurz nach Befund
Ein offenes Gespräch über das Testergebnis war umso wahrscheinlicher, wenn der BRCA-Test ein negatives Ergebnis hatte (Hazard-Ratio: 4,02), wenn die Kinder mindestens im Pubertätsalter waren, wenn die Eltern sich vorstellen konnten, auch ihr Kind testen zu lassen, und wenn ohnehin in der Familie eine Atmosphäre offener Kommunikation herrschte. 63 Prozent der Mütter und 44 Prozent der Miterziehenden sprachen mit ihren Kindern über das Testergebnis innerhalb eines Monats, nachdem der Befund bekannt war. Innerhalb eines halben Jahres suchten 68 Prozent der Mütter und 55 Prozent der Miterzieher das offene Gespräch mit den Kindern. Die Mütter, die mit ihren Kindern über das Testergebnis gesprochen hatten, berichteten, das Verhältnis zum Kind habe sich danach verbessert, es sei offener und entspannter geworden.

„Kinder, die in Familien mit hereditärem Brustkrebs aufwachsen, beschäftigen sich mit dem Thema und fürchten, sie könnten selbst erkranken“, sagte Tercyak. „Die Frage, was Information und Verschweigen des Testergebnisses für ein Kind bedeuten, sollte schon im Beratungsgespräch über einen möglichen Gentest erörtert werden“, empfiehlt Tercyak.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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