ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2009Börsebius: Auf Ehre und Gewissen

GELDANLAGE

Börsebius: Auf Ehre und Gewissen

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Unser Grundgesetz ist 60 Jahre alt geworden, sei aber jung und frisch geblieben. Wer erinnert sich nicht an die vielen Festreden zum Jubiläum? Manche mögen von Ernsthaftigkeit geprägt gewesen sein, aber die Phrasen dürften eher die größere Rolle gespielt haben.

Denn vor, während und nach den Feierlichkeiten machten sich viele aus unserer Wirtschaftselite auf, einen der tragenden Pfeiler unserer Verfassung zu Grabe zu tragen. In Artikel 14 im Absatz 2 steht ziemlich klar, dass Eigentum verpflichte und sein Gebrauch dem Wohle der Allgemeinheit dienen solle. Doch dieser staatstragende Grundsatz wird ad absurdum geführt, wenn eben „nicht zum Wohle der Allgemeinheit“, sondern zulasten des Gemeinwesens Bund und Länder dabei sind, mittels Krediten und Bürgschaften Banken und Unternehmen Geld hinterherzuwerfen, die mit wilden Spekulationen ihre Firma existenziell gefährdet haben.

Dabei haben die Eigentümer dieser Unternehmen und die von ihnen eingesetzten Vorstände in vielen Fällen bei der Suche nach Extramillionen und Profiten für sich selbst jedes Fingerspitzengefühl verloren, ob sie nun Schaeffler, Middelhoff, Wiedeking, Porsche, Piëch, Oppenheim oder Schickedanz heißen. Ihre Verantwortung einzugestehen oder gar (ausreichend) Kapital zur Rettung der bedrohten Unternehmen nachzuschießen, kam ihnen schon gar nicht in den Sinn. Der Ruf nach dem Staat ist halt auch bequemer.

Wenn Eigentümer ihre Verantwortung verweigern, bleiben Ehre und Gewissen gern auf der Strecke. Das kann der Leser mit Bedauern oder einem hilflosen Achselzucken hinnehmen, muss er aber nicht. Ist es wirklich moralisch, einen Porsche zu besitzen, wenn der Boss des Ladens in einem Jahr mehr als 50 Millionen Gehalt einsackte, und das wegen einer Übernahmespekulation, die jetzt in sich zusammenzufallen droht?

Der enttäuschte Kunde könnte seinen Flitzer, sein Benzin oder seinen Boss-Anzug auch da kaufen, sein Geld auch dort anlegen, wo die Oberen zurückhaltend bei ihren Gehältern waren. Allein: Schon die Suche danach geriete zur Findung der Nadel im Heuhaufen des Marktes, zumal der Kunde letzten Endes gar nicht weiß, in welchen der erworbenen Produkte „böses Geld“ steckt, und wenn ja, wie viel.

Es gibt leider den grünen Punkt oder die goldene Unternehmensplakette gegen gierig ergatterte Managergehälter nicht, noch nicht und vermutlich niemals, schon gar keinen TÜV-Stempel für verantwortlich ausgeübtes Unternehmertum. Schade eigentlich.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 4. Juli 2009 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80-17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.