ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2009Nationaler Krebsplan: „Die Zeit ist reif“

POLITIK

Nationaler Krebsplan: „Die Zeit ist reif“

Dtsch Arztebl 2009; 106(27): A-1402 / B-1193 / C-1161

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Die onkologische Versorgung soll verbessert werden. Auf der ersten Nationalen Krebskonferenz informierten die Initiatoren des Krebsplans die Öffentlichkeit über ihre Ziele.

Kurz vor Ende der Legislaturperiode stößt Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt noch ein neues großes Projekt an: eine grundlegende Neuausrichtung der Krebstherapie. Künftig sollen Krebserkrankungen früher erkannt und besser behandelt werden.

Angesichts der 400 000 jährlichen Erkrankungen an Krebs und der mehr als 200 000 daraus folgenden Todesfälle daran reichten die Fortschritte der vergangenen Jahre in der Krebsbekämpfung nicht aus, sagte Schmidt auf der ersten Nationalen Krebskonferenz am 23. Juni in Berlin. Nun käme es darauf an, die Kapazitäten und Qualifikationen zu bündeln. Vorsorge, Therapie und Nachsorge sollen künftig optimal gestaltet werden. „Die Zeit ist reif, die wichtigsten Organisationen zu vereinen und zu vernetzen“, betonte auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven.

Foto: dpa
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Verwirklichen will Schmidt ihre Ziele mithilfe des Nationalen Krebsplans, eines Koordinierungs- und Kooperationsprogramms, welches das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren im vergangenen Jahr initiierte. Seitdem haben mehr als 100 Experten aus verschiedenen Bereichen zu drei von vier Handlungsfeldern 13 Ziele erarbeitet, die sie auf der ersten Krebskonferenz präsentierten.

Ein Komplex widmet sich der Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung. Er setzt das Ziel, die Menschen künftig besser zu informieren und die Teilnahme an den Krebsfrüherkennungsmaßnahmen zu verbessern. Schmidt möchte auch die ärztliche Fortbildung in der Krebsfrüherkennung intensivieren: Nur noch Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Qualifikation sollen in Zukunft Krebs therapieren dürfen, sagte sie auf der Krebskonferenz.

Planungen für ein Zervixkarzinom-Screening laufen
Verändern soll sich auch die Krebsvorsorge: So sieht das Konzept die Einführung eines organisierten Zervixkarzinom-Screenings in Deutschland – angelehnt an die Europäischen Leitlinien – vor. Bislang erfülle laut Krebsplan nur das Mammografie-Screeningprogramm die Anforderungen an eine organisierte Früherkennung, erklärte Schmidt. „Nach diesem Vorbild werden wir auch die bestehenden Früherkennungsprogramme für Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs organisatorisch weiterentwickeln.“

Ein weiteres Handlungsfeld des Krebsplans soll die Strukturen der onkologischen Versorgung verbessern. Es reiche nicht aus, dass hochklassige Krebsversorgung nur an wenigen Zentren vorgehalten werde, meinte die Ministerin. Auch der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Prof. Dr. med. Werner Hohenberger, kritisierte die derzeit „zu großen Unterschiede“ bei der Therapie von Krebs. „Jedem muss die gleiche Chance geboten werden“, forderte er. Dafür wird dem Plan zufolge ein bundesweit einheitliches Zertifizierungsverfahren für Krebszentren angestrebt. „Der Nationale Krebsplan wird den Menschen in unserem Land helfen“, ist Hohenberger überzeugt.

Verstärktes Augenmerk soll künftig auch auf die psychoonkologische Versorgung in Deutschland gelegt werden. Bis zu 30 Prozent aller Krebskranken entwickelten psychische Störungen, die oftmals nicht rechtzeitig erkannt und therapiert würden, sagte Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. Caspers-Merk verwies noch auf ein weiteres Anliegen des Krebsplans: die flächendeckende Einführung klinischer Krebsregister. Mit ihrer Hilfe könne man zuverlässige Daten über die Qualität der Krebsbehandlung gewinnen und diese schließlich verbessern, unterstrich Prof. Dr. med. Ferdinand Hofstädter, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren.
Als drittes Handlungsfeld spielt die Stärkung der Patientenorientierung im Nationalen Krebsplan eine wichtige Rolle. Ziel ist es, die Patienten stärker in die Behandlungsentscheidungen einzubinden. Als Voraussetzung dafür wollen die am Nationalen Krebsplan beteiligten Partner das Angebot an verständlichen und seriösen Informations-, Beratungs- und Hilfsangeboten erhöhen. Dazu haben sie ein Netzwerk Krebsinformation eingerichtet. Die geplante Internetplattform mit qualitativ hochwertigen Informationen soll bald unter der Adresse www.netzwerk-krebsinformation.de starten und frei von Pharma- und Lobbyinteressen sein. Geplant ist ferner eine bundesweit einheitliche gebührenfreie Telefonhotline als zentrale Anlaufstelle für Hilfesuchende.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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