ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2009Priorisierung: Die Relationen stimmen nicht
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Integratives Denken, Herstellung von Verhältnismäßigkeit bei technischen und diagnostischen Leistungen und Konzentration auf die Optimierung von Therapien sind vor Priorisierung im Gesundheitswesen notwendig. Die Krankenkassen sollten verstärkt in die Verantwortung für das Einsetzen der Mittel genommen werden. Das Modell der von den Krankenkassen genehmigungspflichtigen antragsgebundenen Psychotherapie könnte auch auf andere kostenintensive Bereiche übertragen werden . . .

Die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes der Ressourcen ist oft schon auf den ersten Blick nicht gewahrt. Die ambulante zahnmedizinische Versorgung kostete im Jahr 2006 ca. 16,4 Milliarden Euro, die ambulante ärztliche Behandlung „vom ganzen Rest“ ca. 38,4 Milliarden. Bei den verlorenen Erwerbstätigkeitsjahren sind psychische Erkrankungen (abgesehen von Unfällen) die Nummer eins. Erwerbsunfähigkeit reduziert die Beitragseinnahmen der Krankenkassen und belastet die Rentenkassen. Weitere ganz erhebliche Kosten durch die (oft sozialpädagogische) Betreuung psychisch Kranker fallen bei den Sozialämtern und bei den Gerichten für gesetzliche Betreuer an. Die Krankenhausbehandlungskosten durch Depressionen explodieren. Die Daten sind bekannt. Es sollten vonseiten der Ärzteschaft vor allem die Herstellung von Verhältnismäßigkeit im Gesundheitswesen und „Denken mit Überblick“ unter Einbeziehung ärztlichen Sachverstandes gefordert werden.

Die Rationierung im Gesundheitswesen wird bisher vor allem auf dem Rücken der niedergelassenen Ärzte ausgetragen. Alle Ärzte haben immer weniger Zeit für die „Basisversorgung“, das heißt für das Gespräch und Vermittlung von Therapie. Die eigentliche ärztliche Tätigkeit, die therapeutische Tätigkeit, bleibt auf der Strecke. Wen wundert es, wenn es da an Nachwuchs mangelt? . . .
Literatur bei dem Verfasser
Gerhard Leinz, Harmsstraße 76, 24114 Kiel
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